Vierzig Jahre Beitragszeit für Frauen genug

17. September 2004, 12:57
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Grüne und SPÖ: Ungleichbehandlung werde einzementiert - Regierungsfrauen sprechen sich für Berücksichtigung von "Frauenberufen" aus

Wien - Mit dem kürzlich getroffenen ÖAAB-Beschluss "45 Beitragsjahre sind genug" haben die Frauensprecherinnen der Opposition, Gabriele Heinisch-Hosek (S) und Brigid Weinzinger (G), ein Problem: der jetzige typische Erwerbsverlauf von Frauen verunmögliche Arbeitnehmerinnen, die 45 Jahre reine Beitragszeit zu schaffen. Ersatzzeiten etwa für Kindererziehung werden dabei nicht berücksichtigt. Die Frauensprecherinnen der Regierungsparteien, Elisabeth Scheucher-Pichler (V) und Elke Achleitner (F), verweisen hingegen darauf, dass das gesamte Paket noch in Verhandlung sei und man auf die Probleme von Frauen "natürlich" achten werde.

Praktisch nicht erreichbar

Der ÖAAB-Beschluss "45 Jahre sind genug" betrifft reine Beitragszeiten, also ohne Ersatzzeiten etwa für Kindererziehung. Demnach sollen ArbeitnehmerInnen, die diese Zeit schaffen, ohne Abschläge in Pension gehen können. Die grüne Frauensprecherin Weinzinger sieht "die Ungleichbehandlung einzementiert", da für Frauen Pensionsabschläge der Regelfall wären. 45 Jahre Beitragszeit seien praktisch für Frauen nicht erreichbar, so Weinzinger. "Die Regierung hat auf die Frauen vergessen."

Verliererinnen

Für Frauen seien überhaupt 40 Jahre genug, da Frauen derzeit schwer auf 45 Beitragsjahre kommen könnten, schließt sich SPÖ-Frauensprecherin Heinisch-Hosek der Kritik ihrer Oppositionskollegin an. "Der Zug geht derzeit für die Frauen zurück. Sie sind die großen Verliererinnen", so die SPÖ-Frauensprecherin.

Bemühungen

ÖVP-Frauensprecherin Scheucher-Pichler sieht Lösungsansätze in der Erhöhung der Beschäftigungsquote von Frauen und im Ausbau der Kinderbetreuung, "damit dieses Thema kein Thema mehr ist". Sie sei eine Verfechterin davon, dass beides möglich sein soll: Kinder und Beruf. Dann hätten Frauen auch kein Problem mehr, die nötige Beitragszeit zu erreichen. Sie und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) würden bei den jetzigen Verhandlungen dafür sorgen, dass Frauen über 40 keine Nachteile erleiden. Jüngere Frauen sollten möglichst die nötige Beitragszeit erreichen.

Auf die Frage, wie eine höhere Erwerbsquote erreicht werden soll, meint die Abgeordnete, dass die Väter mehr ihre Verantwortung wahrnehmen müssten. Den Ausbau von Kinderbetreuung müsse man forcieren, allerdings nicht nur in Form von Ganztagskindergärten, sondern auch mit "neuen, flexibleren Ideen", wie beispielsweise stundenweise Kinderbetreuung.

Schwerarbeitsbegriff ausdehnen

Eine "seriöse Diskussion" über den Begriff "Schwerarbeit" fordert Heinisch-Hosek. Auch andere Berufe müssten berücksichtigt werden. Die Regierung verstehe unter "Schwerarbeit" schwierige Arbeitsbedingungen auf Grund von Staub, Lärm, Hitze, u.a. Diese Definition sei somit vorwiegend auf männliche Jobs zugeschnitten. "Der gesamte Pflegebereich ist derzeit völlig ausgeklammert", meint auch Weinzinger. Als Schwerarbeiter habe man ein Bild vor sich: "den männlichen Hackler", so Weinzinger.

FP-Frauensprecherin Elke Achleitner spricht sich auch für eine Berücksichtigung von "Frauenberufen" aus, weist aber darauf hin, dass Differenzierungen notwendig seien: "Eine Chirurgin arbeitet unter anderen Bedingungen als eine Augenärztin." (APA)

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