Matratzenhorchdienst

16. September 2004, 13:17
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Auf die eingeschlafene Wirtschaftssituation will Ikea aufgeweckt reagieren und setzt thematisch aufs Schlafzimmer

"Lebst du noch oder schläfst du schon?", müsste konsequenter Weise der neue Ikea-Werbeslogan lauten, nachdem uns vergangenes Jahr die Frage "Wohnst Du noch oder lebst Du schon?" beschäftigen sollte. Der schwedische Riesenmöbler stellt im neuen Programm alles in den Vordergrund, was mit dem Thema Dösen, Schnarchen, Kuscheln, Schlafen, Träumen, Schlummern, Sägen, Ruhen zu tun hat. Geschlafen wird hierzulande im Schnitt übrigens sieben Stunden und sieben Minuten.

Mit dem eingeschlafenen Wirtschaftswachstum habe diese Themenwahl, so der Ikea-Österreich-Geschäftsführer Urs Meier, nichts zu tun. Auch nicht mit vielleicht vermuteten Umsatzeinbußen in diesem Sektor. "Nein, wir orten in diesem Bereich einfach gewaltiges Potenzial". Außerdem seien nur 71 Prozent der Österreicher mit ihrem Schlafzimmer zufrieden, so der Manager, der auf ein Umsatzwachstum von 16,6 Prozent im vergangenen Geschäftsjahr zurückblickt. Ganze 20 Millionen Euro sollen außerdem in Preissenkungen der rund 10.000 erhältlichen Artikel investiert werden, was unterm Strich eine durchschnittliche Preisersparnis von fünf Prozent für den Konsumenten bringen soll.

Doch zurück zur Bettstatt. Hier werden die Preise von Ikea bei den Bettgestellen um 25 Prozent nach unten gehen. Man setzt auf Matratzen, Auflagen, Nachttische, Heimtextilien und Accessoires für Intimzonen aller Art. Um mehr Möbel mit Namen wie Meldal, Mörkedal oder Tordal in heimische Schlafzimmer zu bekommen, studierte man genau, wie, wann, wie oft, warum und warum nicht in Österreich zur Ruhe gegangen wird. So büseln zum Beispiel Vorarlberger und Tiroler im Schnitt 20 Minuten länger als Kärntner, lesen die Wiener im Schlafzimmer am meisten und nutzen insgesamt 28 Prozent der Landsleute das Schlafzimmer für "romantische" Aktivitäten. Im Vergleich dazu sind die Schweden und Isländer mit 72 Prozent wahre Tiger im Schlafzimmer. Nur in Tirol - wohl das Bundesland mit dem höchsten Skilehreranteil - meinte man, sich mindestens einmal täglich im Schlafzimmer sehr nahe zu kommen. Ferner fand man heraus, dass ganze 18,2 Prozent der befragten Männer noch nie die Matratze wechselten. Dabei sollte man diese mindestens alle acht bis zehn Jahre austauschen.

Auch deswegen erweiterte man in den sechs österreichischen Standorten das Matratzensortiment Sultan von der Latex-über die Federkern- und Federkernrahmenmatratze bis hin zum Matratzenpodest.

Stilistisch setzt der alte Schwede - 1977 wagte Ikea den Schritt nach Österreich - auf mehr Country-Romantik à la Waltons und bietet grobe Strick- oder Steppstoffe und Dessins in Streifen-, Karo- oder Blümchenmuster an. Zartere Cremetöne sollen diese Farbenpracht im Zaum halten. Wecker Dekad sieht aus wie zu Grandpa's Zeiten und das Bettgestell Noresund schnörkelt eisern vor sich hin. Wer jetzt zu gähnen beginnt oder zu den schlaflosen Schäfchenzählern und Matratzenhorchern gehört, der erfährt mehr dazu in einem der weltweit 145 Millionen Ikea-Kataloge, die in so manchem Haushalt als Neuerscheinung des Jahres gehandelt wird.(DERSTANDARD/rondo/Michael Hausenblas/3/09/04)

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    foto: ikea
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