Welch' Glanz in unsrer Hütte

26. September 2004, 22:50
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Die Oberfläche zählt: Der Glanz von Gold, Silber und anderen Metallen veredelt in diesem Herbst und Winter die Mode

Paco Rabanne hatte es in seinen jungen Jahren nicht leicht. Der im spanischen San Sebastián geborene und in Paris lebende Modeschöpfer griff zu Beginn seiner Karriere zu Lötkolben und Zange, um seine Besessenheit für alles Metallische auszuleben. Ein Foto aus den 60er-Jahren zeigt ihn, wie er mit Stanze und Hammer Löcher aus Metallkreisen schlägt, um diese dann mit Stahlringen zu streng geometrischen Kleidern zu verbinden - die Werkstatt als Schneideratelier. Wenn auch von seinen Zeitgenossen oftmals als "Modeklempner" oder "Jules Verne der Mode" geschmäht, war er doch ein genialer Materialinnovator, der beharrlich seinen experimentellen Weg der Abkehr von traditionellen Stoffen verfolgte.

Er verarbeitete seine Lieblingsmaterialien - neben Metallen Rhodoïd, einen harten Kunststoff, später Papier, Plexiglas und Glasfasern - zu Kleidungsstücken, die auf eigentümliche Weise Zukunft und Vergangenheit, Raumanzug und Ritterrüstung zu verbinden scheinen. Nicht zu vergessen der Unterton von Aggressivität, den die metallischen Outfits anschlagen. "Meine Kleider sind Waffen", sagte Rabanne 1967 in einem Interview mit Marie Claire, "wenn man sie ,zuknöpft', glaubt man das klickende Geräusch zu hören, das beim Entsichern eines Revolvers entsteht."

Paco Rabanne war der erste Modeschöpfer, der Aluminiumjersey zu Gewändern verwandelte, er experimentierte mit verchromten Kettenhemden, setzte Kleider aus Quadraten, Blüten und Knospen aus Aluminium zusammen und versuchte sich an metallisiertem Plastik. All das glänzt und funkelt und bezeugt, wie sehr Rabanne nicht nur vom Spiel mit Materialien, sondern auch vom Licht und seinen Reflexionen fasziniert ist.

Dem Reiz des Glanzes unterliegen die Modedesigner in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, man denke an die Lurex-Manie der 70er-Jahre oder die jüngsten Exzesse im Bereich Glitzersteinchen à la Swarovski. In Alexander McQueens Kollektionen trifft man etwa immer wieder auf die kühle Strenge von Metall, etwa in Form eines mit Juwelen besetzten Kettenhemds samt Helm oder eines knapp an den Körper geschmiedeten Oberteils aus feinen Metallreifen. Ein ähnlich filigranes Stück hatte Issey Miyake Anfang der 80er-Jahre entworfen, einen plastischen Body aus feinen Stahlreifen, wie sie unter anderem auch für Halsschmuck verwendet werden. In seiner "Starburst"-Kollektion erprobte der Japaner 1998 eine innovative Technik zur Erzeugung glänzender Oberflächen. Er ließ dünne Membranen von Metallpapier in Bronze, Silber und Gold unter Hitzeeinwirkung auf Stoffe aus Baumwolle, Flanell, Wolle oder Filz pressen und schnitt daraus Hosen und Kleider.

Neue Entwicklungen aus den Labors der Textilindustrie machen das Spiel mit den metallischen Effekten immer leichter. Es gibt zum Beispiel spezielle Metallstoffe, die zu 70 Prozent aus Kupferfäden bestehen, die lackiert und mit anderen Fasern wie Polyamid zu Textilien

gewebt werden. Der Glanz dieser Materialien ändert sich je nach Lichteinfall, sie formen sich beim Tragen und können auch zu körpernahen Outfits verarbeitet werden. Polyester oder Polyamid können mit Aluminium bedampft werden, das Material entwickelt beim Tragen eine Used-Optik.

Vielleicht sind es einfach nur die Assoziationen, die diese schimmernden Texturen faszinierend machen: Man denkt an Gold und Juwelen und erliegt genau jener animalischen Verlockung, die auch die Elster steuert - haben wollen, ab ins Nest damit. Dieser Herbst und Winter ist jedenfalls wieder eine gute Saison für Modeelstern. Schon für diesen Sommer entwarf zum Beispiel Helmut Lang Silberhosen für Männer, für den Herbst hat er kupferfarben glänzende Jacken für Männer und Frauen im Programm. Fendi experimentiert mit spektakulären Spiegeljacken, bei Miu Miu gibt es Steppmäntel in strahlendem Gold, Karl Lagerfeld entwarf für Chanel Goldblusen und Ennio Capasa schneiderte für Costume National hautenge Mäntel und Jacken aus silbrig-grün glänzendem Material. (DERSTANDARD/rondo/Margit Wiener/3/09/04)

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