Kein Prozess gegen NBA-Star Bryant

6. September 2004, 18:36
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Verfahren wegen angeblicher Vergewaltigung wurde überraschend eingestellt - Morddrohungen gegen Klägerin

Eagle/Colorado - Der Vergewaltigungsprozess gegen den amerikanischen Basketball-Star Kobe Bryant hat eine überraschende Wende genommen: Der Prozess gegen den 26-jährigen NBA-Profi von den Los Angeles Lakers ist am Mittwochabend (Ortszeit) eingestellt worden, nachdem die Staatsanwaltschaft die Anklage fallen ließ. Bryant hatte sich wegen angeblicher Vergewaltigung einer 19-jährigen Hotelangestellten vor einem Gericht in Eagle (US-Bundesstaat Colorado) zu verantworten.

Anklage fallen gelassen

Das Verfahren wurde eingestellt, weil die heute 20-jährige Frau nicht mehr an dem Prozess teilnehmen wollte. Ein Zivilprozess ist noch anhängig. Die Frau habe sich entschieden, nicht mehr in dem Prozess gegen Bryant auszusagen oder auf eine andere Weise an ihm teilzunehmen, erklärte Staatsanwalt Marl Hurlbert. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft keine andere Wahl gehabt, als die Anklage fallen zu lassen. Hurlbert zeigte aber Verständnis für die Entscheidung des mutmaßlichen Opfers, das einen Schlussstrich unter den Fall habe ziehen wollen.

Die Frau hatte unter anderem zwei Morddrohungen erhalten, nachdem ihre Identität publik gemacht worden war. Hurlbert beteuerte, den Fall nicht eingestellt zu haben, weil man ihr nicht geglaubt habe. "Sie ist eine extrem glaubwürdige junge Frau", meinte der Staatsanwalt.

Sexuellen Kontakt nie bestritten

Die Hotelangestellte hatte dem Basketballstar vorgeworfen, sie am 30. Juni 2003 in einem Wellnesshotel in Vail (Colorado) vergewaltigt zu haben. Bryant hatte stets behauptet, dass es mit ihrem Einverständnis zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Offenbar sehe sie den Vorfall mit anderen Augen, meinte Bryant, der sich am Mittwoch schriftlich bei der Frau entschuldigte. Im Falle einer Verurteilung hätte dem verheirateten Vater einer Tochter eine vierjährige Gefängnisstrafe oder 20 Jahre auf Bewährung und eine Geldstrafe in Höhe von 750.000 Dollar gedroht.

Bryant legte Wert auf die Feststellung, dass "kein Geld an die Frau" gezahlt worden sei. Der anstehende Zivilprozess, den der gegnerische Anwalt L. Lin Wood wegen "nicht spezifizierter Beschädigung" angestrengt hat, würde von beiden Parteien entschieden. Geld genug hat der Basketball-Millionär: Unlängst hat Bryant, der wegen des Prozesses sein Mitwirken im olympischen "Dream Team" von Athen abgesagt hatte, seinen Vertrag bei den Lakers für 136 Millionen Dollar (111,8 Millionen Euro) bis zum Jahr 2011 verlängert. (APA/dpa)

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    Entscheidende Wende im Fall Bryant. Für den Starspieler der Los Angeles Lakers rückt nun wieder das Sportliche in den Vordergrund.

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