Schlacht um Linzer Konzern voll entbrannt - Feindliche Übernahme droht

21. September 2004, 14:07
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Siemens ist an den Elektro- und Energietechnik-Teilen des Linzer Anlagenbauers interessiert, die Kovats-Gruppe an der anderen Hälfte

Wien - Die Übernahmepläne seitens des Elektromultis Siemens für den Linzer Anlagenbaukonzern VA Tech verfügen seit Donnerstag über die Merkmale einer feindlichen Übernahme. Rechtsexperten gehen nämlich davon aus, dass die von Siemens und VA-Tech-Aktionär Mirko Kovats (12,53 Prozent) veröffentlichten Aussagen durchaus ernsthaften Charakter haben und ein Übernahmeangebot nach sich ziehen müssten.

Zwar nimmt Siemens "zu Marktgerüchten grundsätzlich nicht Stellung", in einer Aussendung bestätigt Siemens-Österreich-General Albert Hochleitner jedoch das Interesse an Teilen der VA Tech. Entsprechende Beschlüsse stehen bei Siemens demnach noch aus.

Aufgrund der strategisch-technischen Aufstellung der beiden Konzerne kann es sich dabei nur um die Elin-EBG handeln, die Siemens immer schon wollte. Der zweite Teil des Siemens-Interesses konzentriert sich auf die angeschlagene VA-Tech-Sparte Energieübertragung und -verteilung (T&D), die ideal zum Energieteil des Stammhauses in München passen würde. Dort bestehe Bedarf an Hoch-und Mittelspannung.

Zweiteilung

Um an diese Hälfte der VA Tech heranzukommen, braucht Siemens einen Partner, der sich für die Divisionen Hydro (Energieerzeugung) und Voest-Alpine Industrieanlagenbau (VAI, Stahlwerke) interessiert. Dieser sei in VA-Tech-Aktionär Mirko Kovats (12,53 Prozent) gefunden, heißt es.

Ob die beiden Geschäftspartner (Kovats ist mit Emco Kunde und Lieferant von Siemens, Anm.) die VA Tech gemeinsam übernehmen wollen oder zunächst allein Siemens für die Mehrheit bietet, ist offen. Ein entsprechendes Angebot sei bis dato weder dem VA-Tech-Management noch der Übernahmekommission vorgelegt worden, erfuhr DER STANDARD aus Siemens-Konzernkreisen. Diese Entscheidung werde dann getroffen, wenn die Übernahmekommission dazu auffordere. Mit der sei man in Kontakt.

Klarheit gesucht

Ein Beweis für die Ernsthaftigkeit der Sache: VA-Tech-Generaldirektor Klaus Sernetz hat seine Investoren-Roadshow in New York abgebrochen und auf dem Wittelsbacher Platz in München einen Zwischenstopp eingelegt. Der Grund: Er wolle sich in der Siemens-Konzernzentrale Klarheit über die zuvor als "feindliche Übernahme" bezeichneten Pläne des Elektronikkonzerns verschaffen, sickerte aus Siemens durch.

Außen vor bleibt demnach vorerst die Verstaatlichtenholding ÖIAG mit ihren 15 Prozent. Mit ihr habe zwar Kovats gesprochen, nicht aber Siemens. Die beiden könnten den Deal freilich auch dann durchziehen, wenn die ÖIAG, wie von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Dienstag im Parlament verfügte, ihr VA-Tech-Paket nicht verkaufen darf. Dann würde Siemens laut Insidern versuchen, in einem ersten Schritt die Mehrheit zu erlangen. Irgendwann würde die ÖIAG schon verkaufen.

Verhindern kann die ÖIAG weder eine Abfindung des Streubesitzes, noch eine Zerschlagung oder Filetierung der VA Tech. Allerdings sei Siemens an einer feindlichen Übernahme nicht interessiert. Es sei nicht die Absicht, die VA Tech aus dem Markt zu nehmen, diese sei nämlich eine ideale Ergänzung für Siemens, insbesondere Frankreich und Großbritannien. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2004)

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    Siemens nimmt zwar "zu Marktgerüchten grundsätzlich nicht Stellung", in einer Aussendung bestätigt Siemens-Österreich-General Albert Hochleitner jedoch das Interesse an Teilen der VA Tech.

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