UNO fordert "tausende" zusätzliche Beobachter für Darfur

3. September 2004, 17:34
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Rebellenorganisationen lehnen Entwaffnung ab - Gespräche in Nigeria unterbrochen

New York/Abuja - Der UNO-Sondergesandte für den Sudan, Jan Pronk, hat die Entsendung "tausender" zusätzlicher Beobachter in die westsudanesische Krisenregion Darfur gefordert. "Dreitausend wären nicht genug", sagte Pronk im Anschluss an Beratungen des UNO-Sicherheitsrats über den Sudan am Donnerstag in New York. Zuvor hatte Pronk dem Sicherheitsrat einen Bericht über die Lage in Darfur vorgelegt. Darin forderte er die Regierung in Khartum auf, mehr "Hilfe der internationalen Gemeinschaft" anzunehmen. Die Darfur-Friedensgespräche in der nigerianischen Hauptstadt Abuja gerieten nach anfänglichen Fortschritten wieder ins Stocken.

Pronk sagte vor Journalisten, die Beobachter sollten weiter im Rahmen der Mission der Afrikanischen Union (AU) in Darfur bleiben. Eine genaue Zahl nannte er nicht. Die sudanesische Regierung und die AU müssten sich "so schnell wie möglich" in dieser Frage verständigen. Auf die Frage, ob Khartum um eine Erhöhung der Beobachterzahl nachsuchen werde, sagte Pronk: "Ich habe den Eindruck, dass die Anfrage kommen wird."

Wenn die Regierung nicht in der Lage sei, den Schutz der Bevölkerung in der westsudanesichen Krisenregion allein zu gewährleisten, müsse sie auf Unterstützung von außen zurückgreifen, heißt es in Pronks Bericht. Die beste Möglichkeit dafür sei die "Ausdehnung der Mission" der AU. Derzeit sind in der Region 120 AU-Waffenstillstandsbeobachter im Einsatz; sie werden von rund 300 Soldaten der Afrikanischen Union beschützt.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte bereits im vergangenen Monat die Ausweitung der AU-Mission gefordert, war jedoch auf Widerstand aus Khartum gestoßen. Der sudanesische UNO-Botschafter Elfatih Mohamed Erwa sagte am Donnerstag, seine Regierung sei mit einer Ausweitung einverstanden, jedoch "nur mit einem Beobachter-Mandat".

Bei den Verhandlungen unter der Schirmherrschaft der AU in Abuja lehnten die Rebellenorganisationen die von Khartum geforderte Entwaffnung ihrer Kämpfer ab. Sie warfen von der Regierung unterstützten Kräften schwere Menschenrechtsverletzungen in Darfur vor und forderten, dass ein unabhängiges internationales Gremium diesen Vorwürfen nachgehen solle. Dagegen bestanden Vertreter der sudanesischen Regierung darauf, dass die Rebellen parallel zur Entwaffnung der regierungsnahen Janjaweed-Milizen ebenfalls ihre Waffen abgeben müssten.

Zuvor hatten sich die Konfliktparteien auf einen Plan zum Schutz der Flüchtlinge in Darfur vor Hunger und Gewalt geeinigt. Später sagte der Chef der Rebellenorganisation Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit (JEM), Ahmed Mohammed Tugod, seine Organisation werde die Vereinbarung über humanitäre Fragen so lange nicht unterzeichnen, wie die Frage der Sicherheit nicht abschließend geklärt sei. Ähnlich äußerten sich Vertreter der Rebellenorganisation Sudanesische Befreiungsbewegung (SLM).

JEM und SLM kämpfen seit Februar 2003 in Darfur gegen die Janjaweed-Milizen. Nach UNO-Schätzungen wurden seitdem mehr als eine Million Menschen in die Flucht getrieben und mindestens 30.000 Menschen getötet. (APA/AP)

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