Frauen in Südafrika: "Genug ist genug"

6. Oktober 2004, 14:59
1 Posting

Schluss mit Unterdrückung: Südafrikas schwarze Frauen feiern zehn Jahre Demokratie und Freiheit

Wanda Lubelwana ist Expertin für südafrikanischen Wein. Der war schon immer ihre Leidenschaft: In ihrer Heimat Südafrika hat die junge schwarze Frau Wirtschaft und Önologie studiert, rutschte dann über Marketing in die Branche hinein. Und seit August 2004 leitet sie gemeinsam mit ihrem Mann erfolgreich ihre eigene Vinothek in Wien.

Eine schwarze junge Frau, selbstständig, Topposition, in einer männerdominierten Branche – eine Situation, die noch vor wenigen Jahren für schwarze Südafrikanerinnen undenkbar, ja unerhört gewesen wäre. Das Ende der Apartheid vor zehn Jahren hat den Frauen Südafrikas jedoch viele Rechte und Errungenschaften gebracht. In dieser kurzen Zeit wurden große Anstrengungen unternommen, um die Gleichstellung der Frauen zu fördern - mit Erfolg: "Die Regierung wollte die Fehler der Vergangenheit wieder gut machen", sagt Thabisile Moleah, Gattin des südafrikanischen Botschafters in Wien.

Rechte verankert

Viele Frauenrechte seien in der Verfassung, in Gesetzen und wichtigen Chartas festgelegt worden, in der Gesellschaft habe, die Rolle der Frau betreffend, ein Umdenken stattgefunden. So wurde etwa das Gesetz gegen häusliche Gewalt verschärft und die Gleichberechtigung in der Ehe gesetzlich verankert oder freier Bildungszugang für schwarze Frauen festgeschrieben. Von den südafrikanischen ParlamentarierInnen sind heute 25 Prozent Frauen; was Frauen als öffentliche Repräsentantinnen betrifft, steht Südafrika weltweit an achter Stelle. Zahlreiche Frauen bekleiden wichtige Ministerinnenposten, Frauengremien - wie zum Beispiel die "ANC Women´s League" des African National Congress - beeinflussen politische und gesellschaftliche Entscheidungen.

Geschichtsträchtig

"Frauen haben in der Geschichte Südafrikas immer schon eine große Rolle gespielt und für ihre Rechte und für Veränderungen gekämpft", sagt Thabisile Moleah. Gedacht wird dessen seit 1995 jedes Jahr am 9. August, dem "South African National Women's Day": Er erinnert an den 9. August 1956, an dem 20.000 südafrikanische Frauen vor den Regierungsgebäuden in Pretoria zum Protest gegen die Apartheids-Pässe aufmarschierten.

Das Land war damals in getrennte Bezirke für Weiße und Schwarze aufgeteilt. Viele schwarze Männer arbeiteten in den Bezirken der Weißen. Jede/r Weiße konnte sie auffordern, ihren Pass herzuzeigen, der ihre persönliche Daten enthielt. Verweigerten sie, mussten sie mit Gewalt, Arbeitsverlust oder Gefängnis rechnen. Frauen verloren damit oft ihre Männer, Kinder ihre Väter, Familien ihre Existenzgrundlage.

In einer Petition an den damaligen Premierminister J.G. Strydom (der sich weigerte, sie empfangen und anzuhören) forderten die Frauen an diesem 9. August, geführt von der "Federation of South African Women" (FEDSAW), die Aufhebung der Pässe und protestierten gegen die Ausweitung des Gesetzes auf Frauen. "Enough is enough" – Genug ist genug, lautete ihre Parole. Es war die größte von Frauen organisierte Massenveranstaltung in der Geschichte Südafrikas. Die Frauen führten die Anti-Pass-Kampagne vehement weiter – sieben Jahre später wurden jedoch auch sie gezwungen, die verhassten Papiere zu tragen. Anfang der Sechziger Jahre wurde es Frauen aus ländlichen Gebieten komplett verboten, Städte zu betreten.

Frauenlobby

Heute haben südafrikanische Frauen eine große Lobby aus Gesellschaft und Politik hinter sich, in denen viele Frauen für Frauen aktiv sind. "Wir haben in den letzten zehn Jahren viel für uns erreicht, aber es ist erst der Anfang des Weges", sagt Thabisile Moleah. Vor allem in den Bereichen Business und Gesundheit und in den armen Bevölkerungsschichten bedürfe es noch zahlreicher Verbesserungen für Frauen.

Schritt nach vorne wagen

Was den Bereich Beruf&Karriere betrifft, meint Önologin Wanda Lubelwana, dass es vielen schwarzen Frauen vor allem noch an Selbstbewusstsein mangle, um erfolgreich ihre Frau zu stehen. Sie seien durch die lange Zeit der Unterdrückung nicht gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, persönliche Wünsche zu äußern, zu realisieren, in der vorderen Reihe zu agieren: "Nun können sie ihre Möglichkeiten auskosten und den Schritt nach vorne tun. Sie dürfen keine Angst haben, ihre Fähigkeiten zu zeigen und einzusetzen – jetzt haben sie endlich die Chance dazu." (isa)

  • Frauen spielen in der Geschichte Südafrikas eine bedeutende Rolle.
    bild: sahistory.org
    Frauen spielen in der Geschichte Südafrikas eine bedeutende Rolle.
Share if you care.