IV-Chef Sorger lenkt bei Arbeitszeitfrage ein

20. September 2004, 16:40
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"Mehrerlös" mit Arbeitnehmern teilen

Alpbach - Der neue Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Frantschach-Chef Veit Sorger, ist von seiner ursprünglichen Forderung nach einer generellen Verlängerung der Arbeitszeit in Österreich abgerückt. Auf einer Pressekonferenz zum Auftakt der Wirtschaftsgespräche beim Forum Alpbach sprach Sorger selbst von einer "Akzentverschiebung" in Richtung Flexibilisierung der Arbeitszeit.

Maßgeschneiderte Lösungen auf betrieblicher Basis

Sorger und der ebenfalls neue IV-Generalsekretär Markus Beyrer brechen nun eine Lanze für "maßgeschneiderte Lösungen, auch auf betrieblicher Ebene". Das Thema werde in den Herbstlohnrunden angegangen. Sorger sagte, der "Mehrerlös" aus Flexibilisierungsmodellen sollte mit der Arbeitnehmerschaft "durchaus geteilt" werden - und könnte etwa in die betriebliche Pensionsvorsorge oder äquivalente Mitarbeiterbeteiligungen fließen. Sorger: "Wir wollen kein Sozialdumping, sondern ein Miteinander."

Dem Vernehmen nach geht es der Industrie nun vor allem um eine Erhöhung der täglichen Höchstarbeitszeit von derzeit zehn Stunden und in Spezialfällen darüber hinaus gehende Einzellösungen nach deutschem Vorbild, um Betriebe im Land zu halten.

Insgesamt erhofft sich Sorger eine "maßvolle" Lohnrunde im Herbst. Die mäßig anspringende Konjunktur vertrage insbesondere kein Einrechnen der höheren Ölpreise über den Umweg der Inflation. Sorger: "Das belastet Unternehmen und Konsumenten gleichermaßen."

Noch-IV-Chefökonom Erhard Fürst, der demnächst von IHS-Ökonom Christian Helmenstein abgelöst wird, warnte vor dem Risiko, dass der für 2005 erhoffte Konjunkturaufschwung neuerlich ausbleiben könnte. Sollten die Rohölpreise, trotz der deutlichen Rückgänge in den letzten Tagen, auf einem Niveau jenseits der 40-Dollar-Marke verharren, sei mit einer Wachstumsrate von lediglich 1,5 bis 1,7 Prozent im kommenden Jahr zu rechnen. Das Wifo hat seine Wachstumserwartung erst am 2. Juli für heuer und 2005 um jeweils 0,2 Prozentpunkte auf 1,7 beziehungsweise 2,5 Prozent erhöht.

Mehr für Forschung

An politischen Forderungen legte das neue IV-Führungsduo Sorger/Beyrer wenig Neues vor. Die Liste reicht von einer kräftigen Reduktion der Kfz-Steuer als Kompensation für das Road Pricing bis hin zur Forderung nach mehr Mittel für die Forschungsförderung. Nach Expertenschätzungen sind pro Jahr mindestens weitere 100 Mio. Euro nötig, um in Österreich bis 2010 auf eine Forschungsquote von zehn Prozent vom Bruttoinlandsprodukt zu kommen. (DER STANDARD Printausgabe 02.09.2004, Michael Bachner)

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