Langes Leben kostet höhere Prämien

20. September 2004, 12:50
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Nach Berechnungen steigt die Lebenserwartung der Österreicher um weitere zwei Jahre - Die Folge: Pensionsversicherungen werden teurer

Wien - Die gute Nachricht: Die Menschen werden immer älter. Das belegten die neuen Sterbetafeln in Deutschland. Die schlechte Nachricht: Wegen der längeren Lebenserwartung steigen die Versicherungsprämien in der privaten Pensionsversicherung.

Die deutschen Versicherungen müssen bereits ab Beginn kommenden Jahres die Prämien in der Rentenversicherung mit den neuen, jüngst präsentierten, Sterbetafeln berechnen. In Österreich rechnen die Aktuare derzeit noch; es wird erwartet, dass die neuen Sterbetafeln (die aktuellen stammen aus 1991) Ende des 1. Quartals 2005 vorgestellt werden. Mitte nächsten Jahres werden dann die Prämien für Kapitalversicherungen (Lebensversicherung) nach den neuen Sterbetafeln berechnet, sagte Elisabeth Stadler, Vorstand der Uniqa Personenversicherung.

Österreich rechnet nach der Generationen-Sterbetafel

Weil es sich dabei um Sparprodukte handelt, erwartet Stadler in diesem Bereich keine höheren Prämien. Anders als in Deutschland wird die private Pensionsversicherung in Österreich nach der Generationen-Sterbetafel berechnet und diese wird erst Ende 2005, Anfang 2006 fertig.

Nach den neuesten deutschen Sterbetafeln steigt die Lebenserwartung eines heute 65-jährigen Mannes zwischen 2004 und 2040 um durchschnittlich 2,2 Monate pro Jahr, für Frauen um durchschnittlich 2,1 Monate. Hatte zum Beispiel ein 65-jähriger Mann nach der aktuellen Sterbetafel noch eine Lebenserwartung von 21 Jahren, sind es nach der neuen Sterbetafel bereits 24 Jahre. Bei Frauen steigt der Wert von 25 auf 27 Jahre. Ein deutscher Bub, der nächstes Jahr geboren wird, hat demnach eine Lebenserwartung von 98 Jahren, ein Mädchen gar von 102 Jahren.

Auf Österreich sind diese Zahlen nicht eins zu eins umzulegen, weil die Österreicher im Schnitt um zwei bis drei Jahre kürzer leben als die Deutschen, sagt Stadler zum STANDARD. Nach den derzeit vorliegenden Rohdaten geht Stadler davon aus, dass die Lebenserwartung der Österreicher um zwei Jahre steigt. Das hieße, dass ein heute 40-Jähriger davon ausgehen kann, 77 Jahre alt zu werden, statt bisher 75. Bei einer gleichaltrigen Frau steigt der Wert von 81 auf 83 Jahre. Nach wie vor liegt die Lebenserwartung von Frauen um fünf bis sechs Jahre über jener der Männer.

Erhöhung kommt

Stadler schätzt, dass mit der Umstellung auf die neuen Sterbetafeln in der Rentenversicherung die Prämien um rund fünf Prozent teurer werden. Als Ausgleich könnte es eine höhere Gewinnbeteiligung geben. Bestehende Verträge sind davon nicht betroffen. In Deutschland werden neue Rentenversicherungsverträge, die ab 2005 abgeschlossen werden und die eine gleich hohe Monatsrente garantieren, um acht bis 15 Prozent teurer. Die Versicherungen wiederum müssen wegen der längeren Auszahlungsdauer ihre Rückstellungen erhöhen. Die Deutsche Aktuarvereinigung rechnet für heuer mit einem nachträglichen Rückstellungsbedarf in der gesamten Lebensversicherungsbranche von vier Mrd. Euro. In den Folgejahren werde man "bei Bedarf weitere Sicherheitsmargen aufbauen". Einige deutsche Versicherer haben bereits begonnen, Rückstellungen zu bilden. So hat der Marktführer Allianz im Vorjahr zu diesem Zweck 415 Millionen Euro zusätzlich reserviert. Auch die Hamburg-Mannheimer und die Victoria haben aufgrund ihrer Versicherungsbestände schon eine längere Lebenszeit der Versicherten angenommen, als es die alten Sterbetafeln vorsahen. (DER STANDARD Printausgabe 02.09.2004, Claudia Ruff)

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