Islambuli-Brigade bekennt sich zu Anschlag auf Metrostation

3. September 2004, 17:47
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Gruppe tschetschenischer Selbst­mord­attentäterinnen hinter Terrorserie vermutet

Moskau - Die Sicherheitsvorkehrungen waren erhöht, die Präsenz der Polizei verstärkt. Am 1. September war in Russland Schulbeginn, am Wochenende Stadtfest in Moskau. Nach dem Anschlag an einer Bushaltestelle in Moskaus Süden und den bei- den folgenden Terrorattacken gegen zwei russische Flugzeuge, bei denen 90 Menschen starben, wollte man wenigstens einen Rest an Sicherheitsgefühl vermitteln.

Am Dienstagabend kurz nach acht Uhr dann das vierte Blutbad innerhalb einer Woche. Knapp außerhalb des zentralen Stadtringes neben der belebten U-Bahn-Station "Rischskaja" reißt eine Selbstmordattentäterin neun Menschen mit in den Tod, um die 50 werden verletzt, viele von ihnen schwer.

Nach Angaben der Sicherheitskräfte habe sich die Frau in die Metrostation begeben wollen - was angesichts der Sprengstoffmenge von zwei Kilogramm TNT eine weitaus größere Katastrophe zur Folge gehabt hätte. Wegen der am Eingang stehenden Polizisten jedoch habe sich die Frau etwas verschreckt umgedreht und den mit Bolzen und Schrauben gefüllten Sprengsatz, den sie in einer Schultertasche trug, gezündet.

Wie schon bei den Flugzeugexplosionen bekannte sich zu dem Anschlag die mit Al-Kaida verbundene Islambuli-Brigade - benannt nach dem Anführer der Mörder des ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat 1981. Die Gruppe, die laut dem Islamexperten Georgi Mirski aus der islamistischen Gruppe "Muslimbrüder" hervorging, würde die Ermordung von Muslimen in Tschetschenien rächen und weitere Anschläge folgen lassen, hieß es bereits nach den Flugzeugabstürzen.

Das Bekenntnis, das noch geprüft werden müsse, beweise "die Verbindungen zwischen speziellen Kräften in Tschetschenien und dem internationalen Terrorismus", sagte Staatschef Wladimir Putin noch vor dem Anschlag am Dienstag bei seinem Treffen mit Frankreichs Präsident Jacques Chirac und Deutschlands Kanzler Schröder, die ihm "kritische Solidarität" in der Kaukasuspolitik zusagten.

Genau diese Argumentationslinie verfolgt das offizielle Russland seit vier Jahren, um die Kaukasuspolitik international zu rechtfertigen. Wie anderen westlichen Staaten sei auch "uns der Krieg erklärt worden", erklärte Verteidigungsminister Sergej Iwanow. Putin flog von seiner Sommerresidenz nach Moskau und beriet am Mittwoch mit allen Sicherheitsorganen die Situation.

Die Ermittler gehen davon aus, dass alle vier Anschläge von derselben Gruppe tschetschenischer Selbstmordattentäterinnen ausgeführt wurden, die Mitte August nach Moskau gekommen sei. Demnach würde sich noch mindestens eine der Frauen in der Stadt aufhalten. (sed/DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2004)

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