Matznetter: "Das weise ich zurück"

von Redaktion  |  20. September 2004, 16:58
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    Christoph Matznetter

SPÖ-Wirtschafts­sprecher Matznetter wehrt sich gegen die Vorwürfe, er betreibe eine "verkorkste" Wirtschaftspolitik - ein STANDARD-Interview

Barbara Tóth sprach mit dem SPÖ-Wirtschaftssprecher über das neue Wirtschaftsprogramm der SPÖ:

Standard: Herr Matznetter, Sie präsentieren ein SPÖ-Wirtschaftsprogramm, ernten heftige Kritik auch aus der eigenen Partei - wurde da etwas nicht ausreichend vorbereitet?
Matznetter: Da liegt ein Missverständnis vor: Wir sind mitten im Diskussionsprozess, es gibt noch keinen definitiven Entwurf an die Parteigremien.

Standard: Warum gehen Sie mit unausgegorenen Vorschlägen an die Öffentlichkeit - just einen Tag vor der SPÖ-Sondersitzung?
Matznetter: Ich finde, dass eine große Partei wie die SPÖ, wenn sie programmatisch arbeitet, nicht im Kämmerlein, sondern offen diskutieren soll. Der Termin für unser Wirtschaftsseminar stand seit Monaten fest, 180 Teilnehmer hatten bereits zugesagt.

Standard: Unterm Strich blieb über: Die SPÖ will die Steuern erhöhen - ein vermarktungstechnischer Wahnsinn.
Matznetter: Das Gegenteil ist der Fall. Wir sehen die jetzige Struktur als leistungsfeindlich. Daher wollen wir eine Entlastung des Faktors Arbeit. Da geht es nicht um Steuererhöhung, sondern Steuergerechtigkeit.

Standard: Plakativ klingt das gut, genauso wie "Mehr für alle" - aber irgendjemandem wird man dieses Mehr ja wegnehmen müssen?
Matznetter: Wenn wir pro Jahr ein Prozent Wirtschaftswachstum gehabt hätten, dann hätten wir wirklich für alle mehr.

Standard: Im Nachhinein lässt sich das leicht sagen. Wie soll die Umverteilung ausschauen?
Matznetter: Kernpunkt ist: Was wir an Wachstum haben, erfolgt einseitig. Die Lohnquote wird immer geringer. Immer weniger Menschen profitieren vom Wachstum, und es schadet unserer Wirtschaft, weil die Nachfrage fehlt. Wir müssen neue Strukturen schaffen, damit alle vom Wachstum profitieren.

Standard: Auch das klingt gut, aber was will die SPÖ verändern? Doch die Sparbuchsteuer erhöhen?
Matznetter: Nein. Das war nie eine SPÖ-Forderung.

Standard: Welche sind jetzt die praktischen Überlegungen?
Matznetter: Derzeit werden die Gemeinden ausschließlich durch die Löhne und Gehälter der in der Privatwirtschaft Beschäftigten finanziert. Als Abgeordneter zahle ich zum Beispiel keinen Beitrag, nutze aber die Leistungen meiner Heimatgemeinde. Das ist absurd. Deshalb gilt die Überlegung, die Grundlagen der Kommunalsteuer zu verbreitern.

Standard: Genauso wie Flaf-Beiträge und Grundsteuer?
Matznetter: Auch hier gilt, warum sollen ausschließlich die beschäftigungsintensiven Betriebe alleine alle Lasten tragen? Zur Grundsteuer: Es wäre falsch, sie anzuheben. Sie wirkt letztlich wie eine Konsumsteuer.

Standard: Und wer mehr verdient, soll auch mehr Krankenversicherungsbeiträge zahlen?
Matznetter: Jeder weiß, dass Geld in den Krankenkassen fehlt, auch wenn die Regierung es nicht zugibt. Wir sind, wenn notwendig, für die Anhebung der Höchstbeitragsgrundlage statt einer allgemeinen Beitragserhöhung. Damit es die Massenkaufkraft nicht trifft.

Standard: Können Sie das Gesamtvolumen Ihrer Umschichtungsvorschläge beziffern?
Matznetter: Nein, weil das Wirtschaftsprogramm soll nur die großen Leitlinien festlegen, konkrete Berechnungen werden wir in unserem Wahlprogramm präsentieren.

Standard: Hannes Androsch schimpft Sie eine Österreich-Ausgabe von Oskar Lafontaine.
Matznetter: Ich weise das zurück. Lafontaine hat eine wirklich problematische Seite: Er bringt seine Partei als ehemaliger Parteivorsitzender laufend in Schwierigkeiten, indem er sie via Zeitung beschimpft. Sein Verhalten finde ich unerträglich. Das ist das genaue Gegenteil von meiner Auffassung, wie man sich zu verhalten hat.

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mirko burijan 
02.09.2004 22:04
wären sie doch bei FORMAT geblieben, frau toth!

zwicken sie mal herrn bartenstein vergleichsweise - wäre eine nette abwechslung. aber da kommen dann wohl zu viele anrufe in die redaktion.

petra guggenberger
02.09.2004 19:01

Ich persönlich habe den Verdacht, hätte das SPÖ Programm einen Passus zu einem erhöhten Steuerfreibetrag für Journalisten beinhaltet, wären die Kommentar in den österreichischen Zeitungen anders ausgefallen. Aber so hört die einflußreiche "schreibende" Zunft vor allem, dass die Höchstbeitragsgrenze für die Sozialversicherung fallen soll, das ist natürlich ein "Wahnsinn" für sie. Aber 47.000 ATS brutto sind für Normalsterbliche nicht so leicht zu erreichen. Aber das kann man nicht offen sagen, also verwirft man das gesamte Programm in Bausch und Bogen, damit es nicht auffällt, dass es um "den eigenen Sack" geht.

Gerold3000
02.09.2004 15:36
Endlich maßnahmen gegen die neoliberale Verarmungspolitik

Obwohl die Wirschaft wächst und wächst, verdienen die unteren Einkommensschichten heute real weniger als vor zehn Jahren, wie das Wifo soeben berechnet hat. Während gleichzeitig die Gewinne laut Wifo seit Ende der
achtziger Jahre 15 Prozentpunkte am Volkseinkommen gewonnen, haben die Löhne und
Gehälter ebensoviel verloren.

Der Beitrag Unternehmensgewinnbesteuerung zur Staatsfinanzierung hat sich in den
letzten 30 Jahren halbiert, jener der Vermögen sogar um zwei Drittel verringert. Dagegen hat sich der Beitrag der Lohnsteuer zur Staatsfinanzierung verdreifacht.

Gewinne und große Vermögen müsse wieder gerecht zur Staatsfinanzieung beitragen und niedrige Löhne entlastet werden.

Rincewind Cendiros 
02.09.2004 17:57
Zwei Richtigstellungen

1. Das WIFO hat errechnet, dass Arbeitnehmer real mehr verdienen würden, aber die Staat die Steuern derart erhöht hat, dass es letztendlich weniger war.
2. Die Vermögenssteuer hat sich verringert, weil ein gewisser Herr Lacina, seines Zeichens Ex-SPÖ-Finanzminister, diese 1993 mehr oder weniger abgeschaffen hat.

Also nicht unbedingt Auswirkungen einer neoliberalen Verarmungspolitik, sondern einer staatsinterventionistischen der vormaligen SPÖ/ÖVP-Regierung.

M Ivan Undso 
02.09.2004 17:23
naja unter schüssel und industriemarionettekhg???

Gerold3000
02.09.2004 15:34
Endlich ein Program gegen die Neoliberale Verarmungspolitik

Obwohl die Wirschaft wächst und wächst, verdienen die unteren Einkommensschichten heute real weniger als vor zehn Jahren, wie das Wifo soeben berechnet hat. Während gleichzeitig die Gewinne laut Wifo seit Ende der
achtziger Jahre 15 Prozentpunkte am Volkseinkommen gewonnen, haben die Löhne und
Gehälter ebensoviel verloren.

Der Beitrag Unternehmensgewinnbesteuerung zur Staatsfinanzierung hat sich in den
letzten 30 Jahren halbiert, jener der Vermögen sogar um zwei Drittel verringert. Dagegen hat sich der Beitrag der Lohnsteuer zur Staatsfinanzierung verdreifacht.

Gewinne und große Vermögen müsse wieder gerecht zur Staatsfinanzieung beitragen und niedrige Löhne entlastet werden.

Gerhard Grabner
02.09.2004 14:55
Inhaltlich hat Maznetter recht!

Warum sollen nur die Steuern zahlen, die was Leisten, sprich arbeiten? Da hat Maznetter recht. Von der Vermarktung her ist es natürlich ein Wahnsinn, weil man den Gegnern einer gerchten verteilung den Ball zum Elfmeter hinlegt (Stichwort "Sparbuchsteuer" und Krone). Das hat Kreisky 1983 die Wahl gekostet.

Frei sein 
02.09.2004 14:03
Ich verstehe nicht, warum es Leute gibt, die Matznetter für kompetent halten.

Helmut Huber
02.09.2004 14:34
aber vielleicht verstehen Sie Leute,

die Matznetter für kompetent hielten.

Frei sein 
02.09.2004 15:58
mich hat Matznetter von anfang an nicht überzeugt

Aber vielleicht stell ich zu hohe Ansprüche.
Einen Wolfgang Clement werden wir in Österreich wohl nie in der Politik haben.
Ein wahres Vergnügen diesem Politiker in Interviews/Diskussionen (ntv, ard, zdf) zuzuhören.
Für mich der ideale Politiker: nüchtern, sachlich, ehrgeizig, zielstrebig, kompetent und hochintelligent.


steven malkmus
02.09.2004 16:34

warum sollten politiker so sein, wenn auch der durchschnittliche wähler ihre ideale bei weitem nicht erreicht?

uncle sam
02.09.2004 13:00

politiker sind die schlechteste unternehmer, egal ob rot, schwarz, grün oder blau.


javier prado
02.09.2004 13:59
zum glück führen auch wenige politiker unternehmen

trotzdem eine frage: was hat ihr posting eigentlich mit dem interview zu tun? so viel ich weiss, führen politiker auch keine Österreich AG und zum glück haben sie keine ahnung von volkswirtschaft...

Eduard H.Moser
02.09.2004 15:02
*LOL*

Lord Lurch
02.09.2004 13:32
Ihr Nick spricht Bände!

Im neoliberalen Bushland ist ja auch wirklich alles in Ordnung, gell!?!

Tintifax, jetzt!
02.09.2004 12:39
hi leute, lests mal das geldsyndrom von helmut creutz

download unter: http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw... on2001.pdf

auch wenn die zugrundeliegende theorie (freiwirtschaft) m.E. zurecht mehr als umstritten ist und die implikationen (abschaffung von zinsgeld) im bereich des voodoo liegen, erklärt dieses werk ganz nett, wer von unserem "finanzsystem" wirklich profitiert... also bevor ihr da lauthals umdadumschreits, dass die höhrere besteuerung von vermögen ein wahnsinn für den mittelstand ist, bitte mal informieren wer wirklich vom derzeitigen system profitiert, mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit ist kein einziger dabei, der hier im standard postet... ;-)

LL MM
02.09.2004 13:41

Täuschen Sie sich nicht, so arme Schlucker sind viele Standard-Poster auch nicht. *g*

doozer xxx
02.09.2004 11:59
wo finde ich den ernstgemeinten programmentwurf ???

habe auf der sp-hp nachgesehen (http://www.spoe.at/online/pa... .php?P=12) - mehr als sehr allgemeines blabla aber nicht gefunden.

interessant im 4. absatz: "...Die SPÖ setzt auf einen aktiven Staat, der zum Wohle aller das fleißige Kapital und die produktiven Teile der Wirtschaft unterstützt und den Faktor Arbeit entlastet...."

man(n)/frau lasse sich das mal auf der zunge zergehen: das FLEISSIGE kapital
(prustbrüll...wuahahaha). somit ist das unfleissige kapital ein böses welches ....

mfg doozer (sehr "angeheitert" ...)




ronin 
02.09.2004 13:13

klingt nach pierre proudhon:

eigentum = diebstahl. eigentum, dass nicht durch "anständige" arbeit erwirtschaftet wird, ist diebstahl an der gesellschaft und gehört verboten.....*lach*

die werden immer moderner! jetzt gibt es schon anständige kapitalisten (gab´'s früher auch zb den herrn friedrich engels - seines zeichens fabrikbesitzer und hobby-kommunist ;-)

Helmut Huber
02.09.2004 12:49
ist das nicht

ein Rückgriff auf Goebbels?

mann_von_gewicht
03.09.2004 11:25

würde ich auch schon eher in diese richtung gehen: unterscheidung zwischen "gutem" produktiven kaptial und "bösem" raffenden ist das alte antisemitische grundmuster.

karl geschwista
02.09.2004 12:28
flrißiges kapital: spekulation

unfleißiges kapital: sparbuch

Adolf Ogi
02.09.2004 11:48
Kurse auf der WU!

ich empfehle den zuständigen für die SPÖ-Wirtschaftspolitik ein paar Kurse auf der WU zu machen, nicht um dort die neo-liberale Gesinnung zu lernen, sondern damit sie endlich die Fachbegriffe nicht mehr durcheinander bringen. Die Telekom-Sondersitzung im Parlament war ja aus sozialdemokratischer Sicht ein einziges Trauerspiel. Die grünen Abgeordneten glänzten durch Kompetenz und konstruktive Kritik, die roten aber durch völlig blödsinniges Geschwafel, obwohl sie selbst diese Sitzung einberufen haben! Den Oskar Lafontaine nachäffen ist anscheinend zu schwer für die Roten.

Helmut Huber
02.09.2004 12:50
Je nun:

Den Oskar Lafontaine nachzumenschen is eh net möglich.

Bissgurrn
02.09.2004 11:38
Ich vermisse....

....bei den Plänen:
1) eine Anhebung der Luxussteuer
2) eine Besteuerung von Computern/Maschinen die Arbeitsplätze rationalisieren kann
3) eine Besteuerung von Kundendienst-u. Verrechnungszentren in anderen Ländern (z.B. Irland, Indien)
Die Schwarz/Blauen Wahnsinnigen werden von den schwammigen Roten leider nicht verdrängt werden können. Die Alternativen sind leider kaum interessant.

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