Bordellchef gaukelte Behörden Notstand vor

5. September 2004, 21:30
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"Bedürftiger" fuhr teure Autos, handelte mit Aktien und urlaubte in eigener Luxusvilla

Linz – Ein pikanter Fall von Sozialbetrug konnte nun von den oberösterreichischen Ermittlern geklärt werden. Ein 34- jähriger "Bedürftiger" aus dem Bezirk Linz-Land kassierte über ein Jahr lang rund 6.000 Euro an Notstandshilfe, schwelgte tatsächlich aber im absoluten Luxus.

Der vorgeblich Hilfsbedürftige besserte seine finanzielle Unterstützung durch den Staat mit Einnahmen aus einem illegalen Bordell auf. Eine Luxusvilla in Marbella, der Barkauf eines nagelneuen Mercedes, ein schwunghafter Aktienhandel und eine lukrative Sexhotline zeugen von der wahren "Lebenstristesse" des Sozialbetrügers. "Der Mann hat zusätzlich Freiern überhöhte Beträge von der Kreditkarte abgebucht", erklärte Oberösterreichs Sicherheitschef Alois Lißl dem Standard.

Lebenswandel

Durch den protzigen Lebenswandel sei man auf den 34-Jährigen aufmerksam geworden. Die Ermittlungen brachten dann Luxuriöses zutage: "In der Wohnung des Mannes wurden zum Beispiel etliche Aufnahmen der Luxusvilla gefunden und Unterlagen, die einen durchaus Gewinn bringenden Aktienhandel belegen", erläutert Lißl.

Beim Arbeitsmarktservice Oberösterreich zeigte man sich auf Anfrage des Standard entsetzt: "Es stimmt, dass der Mann bis zum Jänner 2004 immer wieder Notstandshilfe bezogen hat. Sollten die Ermittlungen jetzt tatsächlich ergeben, dass der Mann widerrechtlich Geld kassiert hat, werden wir dieses umgehend zurückfordern", so AMS-Geschäftsführer Roman Obrovski. Auf keinen Fall passiere die Vergabe der Notstandshilfe aber leichtfertig: "Wir haben sehr strenge Kontrollverfahren und Auflagen." Offiziell habe der 34-Jährige tatsächlich "nichts gehabt", da sowohl das Etablissement als auch alle anderen Besitztümer nicht auf den Mann angemeldet waren. (mro/DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2004)

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