Übernahmekommission verlangt Stellungnahme von Siemens

21. September 2004, 14:06
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ÖVP-Molterer: Privatisierung geht weiter, "Zerschlagung" verhindern

Linz/Wien – Der Verkauf des 15-prozentigen Staatsanteils an der VA Tech wurde von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zwar vorderhand gestoppt, vom Tisch ist der Einstieg von Siemens, der in eine Totalübernahme münden würde, noch nicht. Auch die Übernahmekommission nimmt den Deal ernst, sie hat den Elektromulti aufgefordert, endlich eine Stellungnahme zu den Gerüchten abzugeben.

Adressiert ist das Schreiben an den eigentlichen Treiber des Deals, Siemens Österreich. Ob eine solche kommt, blieb am Mittwoch ebenso offen wie Details zum Deal.

Gemeinsames Angebot mit Kovac wird bestritten

Dass Siemens und VA- Tech-Aktionär Mirko Kovats (12,53 Prozent) ein gemeinsames Übernahmeangebot legen könnten, bestreitet man in Siemens-Kreisen. Der Elektronikkonzern kaufe allein oder gar nicht, heißt es. Dass sich die beiden absprächen, sei aber klar, denn Siemens braucht sowohl die 12,53 Prozent von Kovats als auch die 15 Prozent der Verstaatlichtenholding ÖIAG. Mit weniger als 90 Prozent sei kein "Squeeze-out" möglich, also eine zwangsweise Abfindung von Aktionären.

Sowohl Siemens als auch Kovats waren zu keiner Stellungnahme bereit. Letzterer würde von einem Verkauf zwar profitieren (das Aktienpaket der Victory Industriebeteiligung ist aktuell doppelt so viel wert wie beim Einstieg vor eineinhalb Jahren, Anm.), ließ aber lediglich ausrichten, er sei ein stabiler, langfristiger Investor in der VA Tech. Kauft ihm Siemens das Paket zum aktuellen Kurs von 53 Euro ab, könnte er die nicht zu Siemens passende VA Tech Hydro kaufen und mit Austrian Energy kombinieren. Schwieriger dürfte sich ein Verkauf des Industrieanlagenbaus (VAI) gestalten, denn sowohl Hydro als auch VAI brauchen bei den Banken enorm hohe Avale, um Kraftwerksbauten zu garantieren.

Privatisierungsauftrag bleibt Aufrecht

VP-Klubobmann Wilhelm Molterer sieht den Privatisierungsauftrag übrigens nicht gestoppt: "Der Privatisierungsauftrag, der von einer Standortsicherung und dem Ziel eines österreichischen Kernaktionärs ausgeht, ist aufrecht", so Molterer beim Europäischen Forum Alpbach. Sollte ein Mitgehen bei der Kapitalerhöhung nötig sein, um eine Verwässerung der ÖIAG- Anteile zu verhindern, werde dies getan. Klares Ziel sei es, "allfälligen Zerschlagungsszenarien" entgegenzutreten, besonders in der Sanierungsphase des Konzerns.

Industrie-Präsident und ÖIAG-Aufsichtsrat Veit Sorger betrachtet Schüssels Aussagen lediglich als "Empfehlung". Entscheiden würden die ÖIAG-Organe. Der Kanzler könne sich "natürlich dazu äußern" (DER STANDARD Printausgabe 02.09.2004, Luise Ungerboeck und Michael Bachner)

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