Analysten: Zweifel an feindlichem Bid

21. September 2004, 14:06
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BA-CA und RCB sehen Kurs von Übernahmefantasien aufgebläht - Erste Bank widerspricht

Wien - Analysten heimischer Banken haben sich am Mittwoch eher skeptisch über die Entschlossenheit von Siemens geäußert, die VA Tech auch gegen den erklärten Willen der österreichischen Regierung "feindlich" zu übernehmen. Dies sei angesichts des bisherigen Verhaltens des Münchener Konzerns und der Rolle der österreichischen Regierung als potenzieller großer Auftraggeber eher unwahrscheinlich, meinten Experten von Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und Raiffeisen Centro Bank (RCB) auf APA-Anfrage. Beide Banken sehen den derzeitigen Aktienkurs als höher als von den "Fundamentaldaten" gerechtfertigt. Die Erste Bank widerspricht.

"Versuch einer feindlichen Übernahme fürs Geschäft nicht förderlich

"Aus unserer Sicht ist es schwer vorstellbar, dass Siemens ein Projekt durchzieht, das in Österreich zu einem politischen Aufruhr führt. Siemens macht immer wieder große Projekte, auf die die Politik großen Einfluss hat. Dafür wäre der Versuch einer feindlichen Übernahme wohl nicht sehr förderlich", glaubt Reinhard Ebenauer von der RCB. Auch für Jens Zimmermann von der BA-CA, ist es "höchst unwahrscheinlich", dass sich Siemens gegen den erklärten Willen Wiens an einem feindlichen Takeover versuchen könnte.

Zimmermann gesteht aber zu, dass der Markt das nicht unbedingt so sehen muss. Die Tatsache, dass der Kurs seit gestern Nachmittag trotz der Äußerungen der Politik nicht nennenswert nachgegeben hat, könne auch so interpretiert werden, dass die Marktteilnehmer trotz der Äußerungen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) vom Dienstag eine Übernahme nicht ausschließen.

Erste sieht keine Übernahmeprämie

Sowohl BA-CA als auch RCB sehen im derzeitigen Kurs der VA Tech-Aktie eine "Übernahmeprämie" eingerechnet. Nicht so die Erste Bank: In ihrer neuesten Analyse kommt sie auf ein Kursziel von 53 bis 58 Euro, allein auf Basis der (erhöhten) Gewinnschätzungen. Auf Basis der Gewinnschätzung 2005 ergebe sich ein aktuelles KGV von 13, was ein moderater Wert sei. Die VA Tech habe noch "großes Turnaround-Potenzial", wir "sehen nicht, warum der aktuelle Kurs so überzogen sein soll", hieß es Mittwochnachmittag aus der Erste Bank zur APA. Sollten die Übernahmespekulationen platzen, werde der Kurs freilich zurückgehen, dies aber eher kurzfristig und nicht so stark wie bei der Telekom Austria. (APA)

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