Streit zwischen Amerikanern und Europäern, wer erster war

1. September 2004, 13:30
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US-Teams erhielten schnellere Publikation - reicht das für "Gold"?

New York - Amerikanische Astronomen sehen sich als vorläufige Sieger beim Wettlauf um die Entdeckung von erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Forscherteams in Texas und Hawaii meldeten zwar erst am Dienstag ihre Sichtung von Planeten in der Größe Neptun und Uranus, während europäische Wissenschafter bereits vor einer Woche einen Fund dieses Kalibers gemeldet hatten. Ein nicht zu den US-Teams gehörender amerikanischer Astronom sprach ihnen aber nur die "Bronzemedaille" zu, weil die Entdeckungen der Amerikaner von Fachzeitschriften bereits zur Publikation angenommen worden seien.

"Diese beiden wurden im Juli und August eingereicht, während die Schweizer (Entdeckung) noch immer geprüft wird", sagte der Planeten-Theoretiker Alan Boss vom Carnegie-Institut in Washington. "Auf dieser Basis würde ich (den Europäern) Bronze geben."

Und wieder ein kosmisches Wettrennen

Die Entdeckung so genannter Exoplaneten ist eines der spannendsten wissenschaftlichen Wettrennen unserer Zeit. Das größte Renommee würde die Entdeckung eines Planeten in der Größe unserer Erde bringen, auf dem Leben möglich ist. Die Instrumente dafür können derart kleine Himmelskörper in einer Entfernung von mehr als 30 Lichtjahren noch nicht anzeigen. "Wir können die erdähnlichen Planeten noch nicht sehen, aber wir sehen ihre großen Brüder", erklärte der "Planetenjäger" Geoffrey Marcy von der kalifornischen Berkely-Universität, Leiter einer der beiden US-Teams.

Im vergangenen Jahrzehnt wurden 135 Planeten entdeckt, die verschiedene Sterne umkreisen. Sie hatten aber alle die Größe von Jupiter und Saturn, die die 318-fache Erdmasse haben. Die drei jetzt vorgestellten Planeten sind kleiner, ungefähr so groß wie Neptun und Uranus, die etwa die 14-fache Masse der Erde haben. Aber sie befinden sich nicht wie diese am Rande ihres Sonnensystems, sondern sehr nahe an ihrer Sonne.

Gesehen werden können sie auch mit den Superteleskopen in Texas, Hawaii und Chile nicht. Vielmehr werden in einem Radialgeschwindigkeits-Methode genannten Verfahren die Schwankungen gemessen werden, die ihre Gravitation beim Umlauf um ihre Sonne auslösen.

Die beiden zuletzt entdeckten Planeten

Einer der von den US-Forschern entdeckten Planeten umkreist den Stern 55 Cancri, der ungefähr so groß wie unsere Sonne ist und 41 Lichtjahre entfernt im Sternbild Krebs lokalisiert wurde. Er wurde von Astronomen der Universität Texas-Austin entdeckt, die das Hobby-Eberly-Teleskop in den Davis Mountains bei El Paso benutzten. Wissenschafter stimmen darin ein, das 55 Cancri das bisher dem unsrigen am stärksten ähnelnde Sonnensystem sei.

Marcy und Paul Butler entdeckten mit einem auf dem Mauna Kea in Hawaii errichteten Zwillingsteleskop einen ähnlich großen Planeten im Sonnensystem Gliese 436. Das ist 33 Lichtjahre entfernt und liegt in der Richtung des Sternbildes Löwe. Die Europäische Südsternwarte teilte am 25. August mit, mit einem Teleskop in Chile sei im Juni eine "Supererde" entdeckt worden, die den Stern mu Arae im Sternbild Altar umrundet. (APA/AP)

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