Festspielpräsidentin Rabl-Stadler gegen Vorwurf der Mittelmäßigkeit

1. September 2004, 12:45
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Jürgen Flimm sei guter Organisator und Motivator, Sponsoren werden benötigt

Salzburg - Der häufig geäußerte Vorwurf, die Salzburger Festspiele kennzeichneten nur mehr Mittelmäßigkeit, "ist ungerechtfertigt", meinte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler in einem im Gespräch mit der APA. Es habe heuer viele exzellente Aufführungen und Sternstunden gegeben - zum Beispiel "Die Tote Stadt", die beiden konzertanten Opern "Krieg und Frieden" und die Bellini-Oper "I Capuleti e i Montecchi" oder das Orchesterkonzert mit Georges Pretre.

Der neue Festspielintendant Jürgen Flimm sei ein "guter Organisator und Motivator", sagte Rabl-Stadler. Flimm könne nicht nur die Mitarbeiter und Künstler motivieren, sondern auch das Publikum, er stehe für Enthusiasmus und besondere Kunsterlebnisse. Salzburg werde der Mittelpunkt seines Lebensinteresses sein, doch "er muss ja nicht immer in der Stadt anwesend sein." Der neue Intendant solle ruhig offenen Auges durch die Welt fahren und Erfahrungen machen mit dem Ziel: Womit kann man Salzburg einmalig machen, was seh' und hör' ich nur in Salzburg? Auch sollten Ensembles längere Zeit an Salzburg gebunden werden, wünscht sich Rabl-Stadler. "Es fliegt nicht nur das Publikum in der ganzen Welt herum, sondern auch die Künstler." So arbeite man teilweise "gegen ein echtes Ereignis".

Sie selbst habe Angst gehabt, dass jemand zum Nachfolger Ruzickas gekürt werden könnte, "der noch nie ein großes Haus geführt hat", sagte die Festspielpräsidentin. Die Salzburger Festspiele hätten 180 fixe Mitarbeiter das ganze Jahr über, im Sommer an die 4.000. Keineswegs hätte ein "learning by doing" erfolgen dürfen, ist Rabl-Stadler über die Entscheidung des Kuratoriums froh. Flimm könne außerdem gute Stimmung sowohl im Theater als auch in der Oper erzeugen - und das auch beim Publikum. "Er ist ein Mensch, der die Leute mitzieht." So sei beispielsweise "King Arthur" trotz Verrisse angenommen worden.

Sponsoren unbedingt benötigt

Die Salzburger Festspiele benötigten unbedingt Sponsoren. Laut Vertrag könnte man sechs Hauptsponsoren haben: Derzeit habe man vier (Nestle, Audi, Siemens und Uniqa, Anm.) und sie wäre froh, wenn sie weitere gewinnen könnte. Man sei derzeit in Verhandlungen mit Banken und der Luxusgüterindustrie. "Am liebsten wäre mir wieder die AUA, die uns schon ein Jahr gesponsert hat." Fluglinie sind nach Ansicht der Festspielpräsidentin "einer der idealsten Partner": Man könnte beispielsweise das Programm fast überall vorstellen, da die Fluglinien nahezu in aller Welt vertreten seien.

"Wir brauchen das Sponsoring, denn wir sind in einer schwierigen Situation." Einerseits brauchen wir es für die Programmgestaltung, andererseits für das 'Haus für Mozart', wo uns noch rund drei Millionen Euro fehlen. Allerdings bin ich optimistisch, dass wir das Geld in den zwei Jahren zusammenbringen", gibt sich Rabl-Stadler zuversichtlich. Einen Einfluss der Sponsoren (derzeit beträgt der Anteil am Budget rund sieben Prozent, Anm.) fürchtet die Festspielpräsidentin nicht: "Erstens würden wir das gar nicht zulassen, andererseits ist noch nie jemand an uns herangetreten."

Ausgleich zwischen Orchestern

Befürchtungen, dass der Geschäftsführer und Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, Peter Schmidl, als neuer Konzertchef "sein Orchester" bevorzugen könnte, will Rabl-Stadler zerstreuen. "Schmidl ist sich bewusst, dass er kein Programm für die Philharmoniker, sondern das Konzertprogramm der Festspiele macht. Natürlich sind die Wiener Philharmoniker hier das künstlerische Herz der Festspiele, doch werden selbstverständlich auch das Mozarteum Orchester und die Camerata Salzburg nicht zu kurz kommen", betonte Rabl-Stadler.

Als ihre wichtigsten Ziele nannte die Präsidentin, die seit Jänner 1995 im Amt ist: Die Festspiele finanziell absichern und ein funktionierendes Sponsoring. Die Festspiele sollten so konsolidiert sein, dass "ein künstlerisches Arbeiten bestmöglich ist". Die öffentliche Hand habe die Zuwendungen eingefroren und die Schere zwischen Kosten und Subventionen gehe immer weiter auseinander, betonte Rabl-Stadler. Die Festspielpräsidentin kritisierte in diesem Zusammenhang das Ausspielen einzelner Kulturinstitutionen untereinander. "Das ist falsch. Salzburgs Kulturszene muss gesund sein, und Salzburg soll das ganze Jahr über eine Kulturstadt sein."

Spezielle Situation 2005

Besonders wichtig ist für die Festspielpräsidentin das Jahr 2005, denn da steht das Kleine Festspielhaus auf Grund der Umbauarbeiten nicht zur Verfügung. "Es darf nicht der Eindruck eines Sparprogramms entstehen. Daher bringen wir nächstes Jahr sogar zwei Neuproduktionen im großen Festspielhaus 'Die Traviata' und die 'Zauberflöte' heraus. Außerdem gibt es die Neuinszenierung 'Die Gezeichneten' in der Felsenreitschule und im vom Publikum so geliebten Residenzhof 'Mitridate, re di Ponto'."

Einer Idee von Kulturreferent LHStv. Othmar Raus (S), die Eröffnungsveranstaltung zeitlich zu verkürzen, kann die Festspielpräsidentin wenig abgewinnen. "Die Eröffnung kann ruhig zwei Stunden dauern." Überlegenswert seien allerdings die Vorschläge von Raus, die Eröffnungszeremonie von der Felsenreitschule in das Große Festspielhaus zu verlegen und die Gestaltung zu verändern. "Ich bin für alles offen."

Anerkennung zollte die Festspielpräsidentin Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S): "Ich freue mich so, dass sie sich so engagiert und Anteil genommen hat. Sie hat nicht nur die repräsentativen Veranstaltungen wahrgenommen, sondern sehr viele andere Aufführungen besucht." Burgstaller "hat sehr schnell verstanden, dass die Festspiele in Salzburg causa prima sind", so Rabl-Stadler. (APA)

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