DAX: Erholungsversuch bleibt eine Zitterpartie

1. Oktober 2004, 09:25

Auch am Frankfurter Parkett wäre ein Kraftakt der Bullen erforderlich

In der letzten Analyse haben wir die Situation beim deutschen Leitindex richtig eingeschätzt: Obwohl sich die Verfassung des DAX durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 3700 Indexpunkten aus mittelfristiger Sicht verschlechtert hat, haben wir zuletzt Mut bewiesen und in Anbetracht der Unterstützung bei 3600 Punkten kurzfristig zu einer Spekulation auf einen Rebound geraten. Ebenso wie der letzte DAX-Trade, welcher per Stop-Loss noch klar in der Gewinnzone geschlossen wurde, liegt auch die aktuelle Position im Plus. Die etwas mehr als 100 gewonnenen Punkte sind zwar nicht berauschend, aber angesichts des schwierigen Marktumfelds sicher keine schlechte Sache, schliesslich gibt es für den DAX ja auch eine grosse Anzahl an Hebelprodukten. Abgesehen davon hatten wir ohnehin keine Mega-Rally erwartet. Wie geht es nun in Deutschland weiter? Bleibt der Herbst ebenso trist wie der Sommer?

DAX zunächst noch auf Erholung

Es ist sicher ein positives Zeichen, dass dem DAX bei 3750 Punkten ein Wiedereintritt in das zuletzt skizzierte Dreieck gelungen ist. Ein Test der unteren Begrenzungslinie der Formation ist in den nächsten Tagen sehr wahrscheinlich. Es wäre erfreulich, wenn sich der Index diesmal über dieser Linie hält, andererseits wäre die aktuell stattfindende Erholung mit einem Abrutschen unter die Linie wohl beendet. Für diesen Fall gibt es bei 3692 und knapp hundert Punkte tiefer im Bereich von 3600 Punkten zwei altbekannte Unterstützungen. Sollte der DAX das Dreieck bei cirka 3750 wieder nach unten verlassen, müssen für den mittelfristigen Zeithorizont aber weiter sinkende Kurse erwartet werden, wobei die nächsten wichtigen Marken bei 3400 und bei 3200 Punkten liegen.

Jede Menge Widerstände behindern Aufstieg

Auf der anderen Seite deutet beim DAX nichts auf einen bevorstehenden Bullenmarkt hin. Der Index macht nach wie vor einen eher angeschlagenen Eindruck, weshalb weiterhin damit zu rechnen ist, dass es sich bei der aktuellen Erholung nur um eine Korrektur der Abwärtsbewegung handelt. Schon bei knapp 3900 Punkten wartet nämlich der nächste wichtige Widerstand. Ein Überwinden dieser Marke würde das mittelfristig bearishe Szenario zumindest kurzfristig auf Eis legen. In diesem Fall könnte der DAX noch bis zur oberen Begrenzung des Dreiecks bei 4050 Punkten ansteigen, wobei jedoch auch die psychologisch wichtige 4000-er Marke eine potentielle Hürde darstellt. Zu guter Letzt wartet bei 4175 der finale Widerstand, welcher beim DAX bisher jeden Optimismus im Keim erstickte. Damit es in Deutschland wirklich nach oben geht, ist ein einzelner Kraftakt der Bullen sicher nicht ausreichend, da braucht es schon ein kleines Wunder.

Markttechnik bereits überkauft

Die Markttechnik unterstreicht einmal mehr die Aussage der Charttechnik. Während der MACD zur Zeit noch klar long ist, zeigt sich das etwas trägere Directional Movement System momentan ziemlich unentschlossen. Die Stochastik hat bereits im überkauften Bereich ein Verkaufssignal generiert, es ist daher Vorsicht angebracht. Fällt der Indikator unter 80, so wäre dies ein weiteres Warnsignal. Das obere Bollinger Band liegt aktuell bei cirka 3880 Punkten und unterstreicht damit die Relevanz des dortigen Widerstandes.

Strategie

Für den DAX gilt derzeit die Devise "Les jeux sont faits". So pflegen zumindest die Croupiers im Casino zu sagen, wenn keine Wetten mehr angenommen werden. Mit der Eröffnung neuer Long-Positionen sollte man sich angesichts der vielen Widerstände vorerst eher zurückhalten und hierfür besser auf Rückschläge warten. Wer aber bereits eine Wette laufen hat, kann diese mit einem Stop gegen Verluste absichern. Das Setzen und Nachziehen von relativ knappen Stops bleibt aufgrund der Unsicherheiten weiterhin ein wichtiges Thema. Mittelfristig orientierte Anleger werden ihre strategischen Positionen nach dem Bruch der Seitwärtsbewegung eher reduzieren und eine günstigere Repositionierung abwarten.

(Wolfgang Weinmann)

Diese und weitere Analysen finden Sie auf der Homepage von Chartanalyst unter www.chartanalyst.at

Wolfgang Weinmann ist Herausgeber des Börseninformations-Service Chartanalyst

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