Weiterer Unterstützer von Kriegsverbrecher­netzwerk festgenommen

2. September 2004, 16:48
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SFOR nahm bereits am Dienstag "Cicko" fest - Ashdown droht mit "schmerzhaften Schritten" bei Nichtkooperation mit Den Haag

Sarajewo - Einheiten der NATO-geführten Bosnien-Schutztruppe (SFOR) haben am Dienstag einen zweiten "der Unterstützung eines Kriegsverbrechernetzwerkes Verdächtigen" verhaftet. Das bestätigte ein SFOR-Sprecher am Mittwoch, wollte den Namen des Mannes mit Verweis auf Sicherheitsgründe jedoch nicht preis geben. Die bosnische Tageszeitung "Dnevni Avaz" berichtete am Mittwoch, es habe sich dabei um Velimir Borovina gehandelt, einen der wichtigsten Männer im Unterstützer-Netzwerk des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic.

Festnahme von "Cicko"

Am Dienstag hatte die SFOR die erneute Verhaftung des früheren Bürgermeisters von Serbisch-Sarajewo, Milovan Bjelica, alias "Cicko", bekannt gegeben. Bjelica war im Frühjahr vergangenen Jahres vom Leiter der Protektoratsbehörde des Hohen Repräsentanten, Paddy Ashdown, wegen Unterstützung Karadzics seines Amtes enthoben worden. Karadzic wird vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht.

Bereits im Mai hatten SFOR-Einheiten den als "rechte Hand" Karadzics bezeichneten Bjelica ein erstes Mal fest genommen, ihn danach jedoch wieder aus der Haft entlassen. Da sich seine Informationen über das Funktionieren des Karadzic-Unterstützernetzwerkes jedoch als falsch heraus stellten, griffen Einheiten der Schutztruppe am Dienstag erneut zu, berichtete die Tageszeitung "Oslobodenje". Unterdessen kündigte Protektoratschef Ashdown "schmerzhafte Schritte" gegen Politiker der bosnisch-serbischen Republika Srpska (RS) an, sollten diese weiterhin nicht mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal kooperieren.

"Dnevni Avaz" zitierte ihn am Mittwoch mit den Worten: "Diese Angelegenheit muss in den nächsten Monaten geklärt werden." Sollte das nicht der Fall sein, "werde ich handeln und das wird sehr schmerzhaft sein". Ashdown hatte Ende Juni knapp 60 Funktionäre und Politiker der von Karadzic mit gegründeten Serbisch-Demokratischen Partei (SDS) entlassen, weil ihnen Unterstützung mutmaßlicher Kriegsverbrecher vorgeworfen wird. (APA)

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