Tirol: Umstrittene Gletschererschließung geplant

7. September 2004, 16:11
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Novelle zu Naturschutzgesetz in Kraft - Grundlage für Erweiterung von Gletscherskigebieten - Mit Infografik

Innsbruck - Die im Mai beschlossene Novelle des Tiroler Naturschutzgesetzes ist am Mittwoch in Kraft getreten. Verbunden mit weiteren Verordnungen ist die Gesetzesnovelle unter bestimmten Voraussetzungen Grundlage für die Erweiterung bereits bestehender Gletscherskigebiete. Konkret sollen neue Anlagen im "touristisch benachteiligten" Pitztal und im Kaunertal möglich werden. Als "Aufweichung des Gletscherschutzes" kritisieren die Grünen und der Alpenverein die Novelle.

Das neue Naturschutzgesetz war am 12. Mai im Tiroler Landtag nach einer mehrstündigen Debatte beschlossen worden. Die Koalitionsparteien ÖVP und SPÖ sowie die Freiheitlichen hatten dafür gestimmt, die Grünen dagegen.

Raumordnungsprogramme

Nach dem novellierten Naturschutzgesetz kann die Landesregierung nun für bestehende Gletscherskigebiete Raumordnungsprogramme erlassen, in denen der Bau von Anlagen, "die für den Tourismus von besonderer Bedeutung sind", für zulässig erklärt wird. Konkret würde dies auf das Kauner- und Pitztal zutreffen, sagte die zuständige Landesrätin Anna Hosp (V).

Die Landesregierung könne Verordnungen bezüglich der äußeren Begrenzungen der Gletscherskigebiete erlassen. Diese sollen voraussichtlich Ende September beschlossen werden, sagte Hosp.

Im Kaunertal wolle man die Weißseespitze erschließen. Im diesbezüglichen Verordnungsentwurf seien 280 Hektar dafür freigegeben worden. Da es sich um eine Neuerschließung handelt, sei eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erforderlich.

Erweiterung

Im Pitztal soll der Linke Fernerkogel erschlossen werden. 220 Hektar seien vorgesehen. Ein Zusammenschluss mit dem Ötztal wäre dadurch möglich. Ob auch im Fall des Pitztals eine UVP durchgeführt werde, sei noch fraglich, sagte Hosp. Druck von Touristikern, die nach dem Kauner- und dem Pitztal auch Erweiterungen in anderen Gebieten wünschen könnten, befürchte sie nicht.

Die Verankerung des Schutzes der im Nahbereich der Gletscher gelegenen Moränen sei ein weiterer wesentlicher Punkt des novellierten Naturschutzgesetzes, sagte Hosp. Weiters sei eine Verordnung in Begutachtung, die besagt, dass die Ruhe- bzw. Schutzzonen direkt an die Gletscherskigebiete anrücken. Auch diesbezüglich soll es Ende September einen Beschluss geben.

"Internationale Blamage"

Als internationale Blamage hatten die Tiroler Grünen die Naturschutznovelle bezeichnet. Der Landesregierung, insbesondere der zuständigen Landesrätin Hosp, warfen die Grünen vor, die Alpenkonvention in Sachen Gletscherschutz auszuhöhlen.

Heftige Kritik war auch vom Österreichische Alpenverein (OeAV) gekommen, der den Entwurf des Raumordnungsprogrammes bezüglich der Skigebietserweiterungen als "inhaltsleere Blankoermächtigung" bezeichnet hatte. Es würden sich darin "keinerlei planerische Maßnahmen, die irgendeine Ordnung hinsichtlich der räumlichen Entwicklung, der wirtschaftlichen Infrastruktur und der Verkehrssituation des von dem Entwurf betroffenen Gebietes, vorsehen", befinden, hatte der OeAV kritisiert. (APA)

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    Training des ÖSV im Oktober 2003 am Pitztaler Gletscher.

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    Umstrittene Gletschererschließungen geplant

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