"Eine rote Schule wird immer rot nachbesetzt"

7. September 2004, 15:03
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Trotz der von Wiens SP und VP hochgelobten Objektivierungsverfahren sprechen die Grünen von "skandalöser Parteibuchwirtschaft"

Wien - Was für die Eine ein "Skandal" und der Beweis für die parteipolitisch motivierte Vergabe von Direktorsposten ist, ist für die Andere "völliger Blödsinn": Unmittelbar vor Schulbeginn in Ostösterreich lässt Susanne Jerusalem, Schulsprecherin der Wiener Grünen, kein gutes Haar am Bestellmodus für Direktorenposten an Wiens Pflichtschulen, wird für ihre Kritik von Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl heftig kritisiert, und bekommt auch von der VP Schelte: Parteipolitischer Einfluss, so Wiens VP-Bildungssprecher Walter Strobl, sei in Wien nämlich "faktisch nicht mehr gegeben."

Was Jerusalem Dienstagvormittag präsentierte, sah anders aus: Von den 38 am Montag im Stadtschulrat entschiedenen Bestellungen von Direktoren (Volksschulen, Hauptschulen und Pädagogische Zentren) hatte Jerusalem acht Hauptschulen "exemplarisch" herausgegriffen: An sieben seien Wunschkandidaten der Schule nicht zum Zug gekommen. Sogar dann nicht, wenn sie die (für jede Leiterstelle separat vorgenommene) Qualifikationsprüfung erstgereiht absolviert hätten. In einem Fall sei die Wunschkandidatin einer Hauptschule dafür anderswo Direktorin geworden - woraufhin die dortige Wunschkandidatin leer ausging.

Anderswo sei eine dafür von den lokalen Schulpartnern abgelehnte Kandidatin eingesetzt worden.

Vorgereiht

Eine andere Kandidatin, die bei in einem Assessment-Test letztgereiht worden sei, beim Computer-Test "Aufsehen erregend schlecht" (Jeruslaem) abgeschnitten habe, sei im Laufe von drei Direktoren-Bewerbungen innerhalb eines Monats auf wundersame Weise immer besser bewertet worden.

Schließlich sei sie als Drittgereihte aus dem Vefahren hervorgegangen und prompt, so Jerusalem, "amtlich" vorgereiht worden: Sie wird nun eine Schule leiten. Jerusalems Conclusio: "Das beweist, dass die von SP und VP so viel gelobten Mitsprachemöglichkeiten der Schulpartner das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen." Die - von SP und VP ebenfalls als Erfolg gepriesenen - Objektivierungsverfahren hätten nur einen Zweck: "Mit ihnen lässt sich alles wasserdicht argumentieren - Ergebnis ist aber, dass eine rote Schule immer rot und eine schwarze Schule immer schwarz nachbesetzt wird."

Ganz anders fällt da - naturgemäß - das Statement der Wiener Stadtschulratspräsidentin aus: Sämtliche Direktoren-Entscheidungen seien im Kollegium des Stadtschulrates einstimmig gefallen. Von Absprachen und Parteibuchwirtschaft könne "keine Rede sein". Wenn sich Kandidaten "an mehreren Schulen bewerben und überall erstgereiht sind, muss eine Entscheidung getroffen werden." Dass die Wünsche von Lehrern und Eltern nicht immer ("beim überwiegenden Teil aller Bestellungen kommt der Wunschkandidat zum Zug") erfüllt würden, läge in der Natur der Sache: "Als Behörde tragen wir die Verantwortung - und so wie die Grünen es sich vorstellen, dass der Direktor eine Basisentscheidung ist, kann es auch nicht sein." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2004)

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