Chalabi entkommt Anschlag

2. September 2004, 19:15
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"Das war ein Hinterhalt, mehr ist nicht zu sagen" - Granatenschüsse auf erste Sitzung des Übergangsparlaments

Bagdad - Mit dem Beschuss des Regierungsviertels haben irakische Extremisten am Mittwoch die konstituierende Sitzung des Übergangsparlaments in Bagdad zu torpedieren versucht.

In der Nähe des Versammlungsorts schlugen im Regierungsviertel fünf Werfergranaten ein, wobei nach US-Armeeangaben ein Zivilist verletzt wurden. Bewaffnete beschossen zudem südlich der Hauptstadt einen Fahrzeugkonvoi mit dem prominenten schiitischen Politiker und früheren US-Verbündeten Ahmed Chalabi. Zwei seiner Leibwächter wurden bei der Attacke verletzt. Die konstituierende Sitzung des Parlaments begann am Vormittag wie geplant um 09.00 Uhr (MESZ), gegen Mittag waren allerdings erneut laute Explosionen in der Stadt zu hören. Die US-Armee machte zunächst keine Angaben über etwaige weitere Opfer.

Das Übergangsparlament soll die Interimsregierung kontrollieren und den Weg für die Anfang 2005 geplanten Wahlen im Irak ebnen. Aufständische haben in der Vergangenheit immer wieder das Regierungsviertel, die so genannte Grüne Zone, mit Granaten angegriffen. In dem streng gesicherten Bezirk ist neben dem Übergangsparlament auch die Interimsregierung sowie die US-Botschaft untergebracht. Auch als im vergangenen Monat 1300 Delegierte aus dem gesamten Irak zur Wahl des Übergangsparlaments zusammenkamen, hatte es Anschläge auf das Viertel gegeben, wobei zwei Zivilisten getötet wurden. Die Rebellen versuchen mit ihren Gewaltakten den von Ministerpräsident Ijad Allawi vorangetriebenen Prozess der politischen Stabilisierung und Demokratisierung des Landes zu stören.

Der schiitische Politiker Chalabi zeigte sich nach dem Angriff auf seinen Fahrzeugkonvoi ungerührt: "Das war ein Hinterhalt. Ich glaube, dazu ist nicht mehr zu sagen", sagte Chalabi der Nachrichtenagentur Reuters. Chalabi war zeitweise Präsident des von den USA eingesetzten Regierungsrats im Irak, ist aber mittlerweile offenbar bei der US-Regierung in Ungnade gefallen. Ein von den USA eingesetzter irakischer Richter hat gegen den Politiker Anklage wegen Geldfälschung erhoben. Chalabi hat die Vorwürfe zurückgewiesen und die Anklage als politisch motiviert bezeichnet.

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