Das "Negervolk" und seine Ziege

2. September 2004, 10:50
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Informationsschilder heimischer Tierparks nicht mehr zeitgemäß

Wien - Christoph Roland traute seinen Augen nicht: Der Ornithologe wanderte durch den Vorarlberger "Alpentierpark Pfänder", als ihn eine Informationstafel stutzig machte. Das Schild über die Zwergziege wartete mit einer "nostalgischen" Formulierung auf: ". . . wo sie oft das einzige Nutztier bei verschiedenen Negervölkern darstellt."

Wenige Wochen später stieß der Ornithologe am anderen Ende Österreichs - im burgenländischen "Steppen-Tierpark Pamhagen" - auf ein wort- und bildidentes Schild. Roland wunderte sich: "Dass das Wort "Neger" als diskriminierend empfunden wird, sollte sich eigentlich längst herumgesprochen haben."

Die Tafeln wurden in den 70-er Jahren in zahlreichen Tierparks angebracht. Damals war man in sprachlichen Fragen weniger sensibel als heute. Ob die von einem deutschen Unternehmen stammenden Schilder auch in anderen heimischen Zoos hängen, bedauert der Tierschützer, sei wohl nur direkt vor Ort nachvollziehbar.

"Afrikanische Völker"

Immerhin: In Pamhagen war der Vogelkundler nicht der erste, der über das Schild "stolperte". Das Wort "Negervölker" ist dort überkritzelt und durch "afrikanische Völker" ersetzt. Auf Anfrage des STANDARD hieß es in Pamhagen, die Übermalung stamme nicht von einem Besucher sondern vom Personal selbst. Ob die Tafel ausgetauscht wird stehe noch nicht fest.

Anders dagegen in Vorarlberg. Thomas Kinz, der für den Tierpark Verantwortliche Vorstand der Pfänderbahn AG, hat sich bisher noch nie Gedanken über die Formulierungen gemacht - und sieht dafür auch keinen Grund: "Was ist so falsch daran?" (Daniela Bauer/Katharina Roder/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2004)

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