Verwirrung um Jugendheim

2. September 2004, 10:50
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Kärnten: Staatsanwalt dementiert Einstellung der Vorerhebungen in Görtschach

Klagenfurt - Die Vorgänge rund um das Jugendheim Görtschach, das wegen Gewaltexzessen und sexueller Übergriffe geschlossen werden sollte, sind verwirrend. So verkündete Landeshauptmann Jörg Haider am Dienstag, die Vorerhebungen der Staatsanwaltschaft gegen den Heimleiter seien eingestellt worden. Dem widersprach postwendend Gottfried Kranz, der Sprecher der Klagenfurter Staatsanwaltschaft. Haider ließ darauf klarstellen, bei der Einstellung handle es sich um frühere Ermittlungen.

Tatsächlich wurde 1995 ein Verfahren gegen den Heimleiter eingestellt. Damals war es um Gewalt gegenüber den Zöglingen gegangen. Verstummt sind die Anschuldigungen über schwere Missstände im Heim jedoch nie. Außerdem soll es jahrelang extreme Spannungen zwischen Heimleitung und den Erziehern gegeben haben.

Verunsicherte Eltern

Das bestätigt auch Zentralbetriebsratsobmann Gebhard Arbeiter im Gespräch mit dem STANDARD. Arbeiter zeigt sich "verärgert über die vorschnelle Vorgangsweise" von Soziallandesrätin Gabriele Schaunig-Kandut. Die hatte ja zunächst von der Schließung des Heimes und der Unterbringung der Heimzöglinge in Wohngemeinschaften gesprochen. "Damit hat sie für Verunsicherung bei den Eltern der Zöglinge und den Heimerziehern gesorgt. Kurz vor Schulbeginn hätte keiner gewusst, wohin mit den Kindern. Schwer erziehbare Kinder nimmt ja keine öffentliche Schule auf."

Nach einem Abkommen zwischen Haider und Arbeiter wird das Heimpersonal ebenfalls nicht versetzt, wie es ursprünglich geheißen hatte. Auch der Heimleiter, der entgegen anderer Meldungen gar nicht suspendiert wurde, wird nicht abgelöst. Er sei nur auf Urlaub gegangen, hieß es. Das allerdings am Tag nach der angeblichen Vergewaltigung eines Zwölfjährigen durch einen älteren Zögling. Daher sei auch nicht sicher, ob er darüber informiert worden sei.

Vorerst bleibt also alles beim Alten im Heim und in der angeschlossenen Schule für schwer erziehbare Kinder. Pädagogen, Landesamtsdirektion, Präsidiale sowie Betriebsrat wollen sich nun gemeinsam um die weitere Vorgangsweise bemühen. (stein/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2004)

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