Fusionen in Europa stehen bevor

8. September 2004, 13:43
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Alpbacher Bankensymposium: Zeit der großen Bankenhochzeiten kommt später - aber sie kommt

Alpbach - Erste-Bank-Generaldirektor Andreas Treichl vereint die rund 600 deutschen Sparkassen mit einem Marktanteil von 40 Prozent und einem Buchwert von insgesamt 84 Milliarden Euro. Das ist mehr als der Buchwert der derzeit weltgrößten Bank Citigroup (81 Mrd. Dollar). Dann bringt er die Deutsche Sparkassen AG an die Börse, wo sie 160 Mrd. Euro wert sein wird (Citigroup hat 200 Mrd. Börsenwert). Dieses Spitzeninstitut kauft HypoVereinsbank (HVB), Commerzbank und Postbank. Deutschland ist saniert, Europa belebt. Thema der Veranstaltung: "Europas Banken - Übernehmer oder Übernommene".

Soviel zu Treichl und seiner "idealen Fusion". Zurück zu den solcherart etwas aufgeheiterten, aber insgesamt geplagten Bankerseelen beim Bankensymposium in Alpbach: Obwohl der Marktwert dieser drei deutschen Banken unter ihrem Buchwert (0,9) liegt, will sie keiner kaufen. Für einen Euro HVB wären derzeit allerdings lediglich 90 Cent zu zahlen. Billig also. Aber: "Das tut sich keiner an, weil zu viel Geld bei Kunden und Mitarbeitern liegt, die Eigentümer eine zu geringe Verzinsung verlangen und der Markt ja nicht wächst", so Treichl.

Trotzdem: Die Fusionswelle werde kommen, "weil es in Europa zu viele in der gleichen Liga gibt". Regional werde es zwar zur Konsolidierung kommen, groß übernommen und fusioniert werde aber erst später. Und das werde dann ein "Machtkampf in Europa". Denn wer in den Osten wolle, müsse schon KBC, UniCredito oder Erste Bank kaufen.

Mergerwelle rollt an

Andreas Dombret, M&A-Spezialist bei Rothschild, sieht die Konsolidierung bereits voraus. Er ist übrigens der einzige deutsche Banker, der einer Einladung der Bankwissenschaftlichen Gesellschaft (Otto Lucius) nach Alpbach gefolgt ist. Im ersten Halbjahr, so Dombret, habe das Geschäft mit Übernahmen und Fusionen (M&A) ein Volumen von 1000 Mrd. Dollar erreicht, 50 Prozent mehr als im Jahr davor. Davon entfielen 190 Mrd. auf den Bankenbereich. Dombret: "Dieses derzeit US-geprägte Geschäft wird nach Europa kommen." Banken mit einem hohen Verhältnis von Marktwert zu Buchwert hätten gute "Kaufwährungen". Die Erste Bank spielt in der Spitzenliga mit 2,5 und hat in den letzten sechs Jahren acht Banken geschluckt. Die weltgrößte Privatbank UBS kommt auf 3,3.

Dombret sieht schon den deutschen Genossenschaftssektor fusionieren (WGZ und DZ-Bank) inklusive Konzentration des Fondsgeschäftes und Heirat von Landesbanken. "Aber auch die HVB kann so nicht bleiben. Das ist ja eine österreichische Bank mit Osteuropaschwerpunkt, die auch noch ein bisschen in Deutschland tätig ist." Deutschland generiere weniger als die Hälfte des HVB-Marktwertes von 10,6 Mrd. Euro.

Fokussierung

Parallel zum Heiraten und Übernehmen spalte sich auch die klassische Wertschöpfungskette auf, das Universalbankenprinzip falle auseinander. Dombret: "Die Fokussierung und Auslagerung von Vertrieb und Produktion wird voranschreiten." Treichl nickt und räumt ein, dass die Erste Bank dereinst wohl auch Übernommene sein werde: "Aber möglichst spät, das wäre sonst schade für mich, meine Mitarbeiter und Österreich". (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2004)

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