Bomben-Terror in Moskau: "Islambuli-Brigade der El Kaida" bekennt sich

1. September 2004, 19:04
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Polizei sucht nach weiteren potenziellen tschetschenischen Attentäterinnen und schließt Verbindung zu Flugzeug-Anschlag nicht aus

Moskau - Bei der Explosion in Moskau, die Dienstagabend mindestens zehn Menschenleben forderte, hat es sich aller Voraussicht nach um den Anschlag einer Selbstmordattentäterin gehandelt. Mehr als 50 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, wie Bürgermeister Juri Luschkow weiter erklärte. Unter den Verletzten seien vier Kinder und 11 Frauen. Die mit Bolzen und Metallteilen gefüllte Bombe habe "maximalen Schaden" anrichten sollen, sagte Luschkow.

"Es hörte sich an wie ein starker Donner", sagte ein Augenzeuge des Anschlags der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich habe fünf Menschen gesehen, die nicht mehr aufstehen konnten. Und andere Menschen waren vollkommen zerfetzt. Ein Mann ohne Bauch schrie: 'Wo ist die Polizei?'"

Polizei sucht nach weiteren Terroristinnen

Nach dem Selbstmordanschlag sucht die russische Polizei nach weiteren potenziellen tschetschenischen Attentäterinnen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass zwischen dem Bombenanschlag und dem Terrorakt gegen zwei Flugzeuge vor einer Woche ein Zusammenhang bestehe, sagte ein Ermittler am Mittwochmorgen (Ortszeit) der Agentur Interfax.

Wie bei den Flugzeug-Attentaten bekannte sich nach russischen Medienberichten die Terrorgruppe "Islambuli-Brigade der El Kaida" im Internet zu dem Moskauer Anschlag. Eine Selbstmord-Attentäterin hatte sich am Dienstagabend nahe der belebten Metro-Station "Rischskaja" im Stadtzentrum in die Luft gesprengt.

In der Nacht wurde der Kopf der Terroristin gefunden. Ermittler schlossen nicht aus, dass es sich um Rosa Nagajewa, die dritte einer Gruppe von insgesamt vier gesuchten Tschetscheninnen, handle.

Die vierte Frau namens Marjan Taburowa sei noch auf freiem Fuß, schrieb die Internetzeitung "Gaseta.ru". Nagajewa und Taburowa hatten nach Erkenntnissen der Ermittler zuvor in Grosny mit den beiden mutmaßlichen Terroristinnen zusammen gelebt, die am vergangenen Dienstag die Flugzeuge zum Absturz gebracht hatten. Vor dem Schulbeginn für zehntausende Schüler am Mittwoch wurden Moskauer Polizisten mit Phantombildern von Nagajewa und Taburowa ausgestattet.

"Islambuli-Brigade der El Kaida" übernimmt Verantwortung für Attentat

Die Terrorgruppe "Islambuli-Brigade" erklärte, auch der neue Anschlag solle "die Muslime in Tschetschenien unterstützen". Bei dem Treffen mit dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem französischen Präsidenten Jacques Chirac in Sotschi hatte der russische Staatschef Wladimir Putin am Dienstag El Kaida für die Anschläge in seinem Land verantwortlich gemacht. Die tschetschenischen Rebellen arbeiteten mit dem internationalen Terrorismus zusammen, sagte Putin.

Die US-Regierung verurteilte die Anschläge in Moskau und zuvor auf zwei Passagierflugzeuge scharf. Es gebe keine Rechtfertigung für Terrorismus, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Erklärung des Weißen Hauses. Die Anschläge würde die die russisch-amerikanische Partnerschaft im Kampf gegen den Terrorismus weiter unterstützen. Die Anschläge erinnerten an die gemeinsame Sache mit Russland und den anderen Freunden und Alliierten, diese Plage zu bekämpfen und die Terroristen zur Verantwortung zu ziehen. (APA/AP/dpa/Reuters)

  • Die Bombe detonierte vor der U-Bahnstation
Rizhskaya im Norden Moskaus.

    Die Bombe detonierte vor der U-Bahnstation Rizhskaya im Norden Moskaus.

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