"Hysterie vollkommen überzogen"

1. September 2004, 21:13
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Privatleben von Promis im Bild: Wiener Anwälte rätseln über deutsche Presse

Die Chefs der größten deutschen Verlage rufen die deutsche Regierung um Hilfe vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Mittwoch berät das Kabinett darüber. Österreichische Medienanwälte rätseln über die "Hysterie" der deutschen Presse.

Was wollen Bernd Kundrun (Gruner+Jahr), Mathias Döpfner (Springer), Bodo Hombach (WAZ) und Kollegen von Kanzler Gerhard Schröder? Die Regierung soll gegen eine Entscheidung der Straßburger Richter über Fotos von Promis berufen. Die Frist endet am 24. September.

Ausgangspunkt des Verfahrens: Fotos wie jenes der "Bunte" im Sommer 1983, das Caroline von Monaco, inzwischen von Hannover, beim Erwerb einer Flasche Olivenöl auf dem Marktplatz von Saint-Rémy zeigte. Caroline fand, solche Fotos verletzten ihr Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, wie es die Menschenrechtskonvention garantiert. Das finden auch die Straßburger Richter.

Die deutschen Medien fürchten nun, sie könnten Fälle wie den verschneiten Bordellbesuch Michel Friedmans oder den von der Dresdner Bank gesponserte Silvesterausflug des seither ehemaligen Bundesbankchefs Ernst Welteke nicht mehr berichten.

Keine Rede davon, sagen österreichische Medienanwälte. STANDARD-Anwältin Maria Windhager findet eine neuerliche Behandlung der Causa zwar sinnvoll, aber "die Hysterie vollkommen überzogen". Da habe mancher "das Urteil nicht gelesen". Fälle wie Friedman oder Welteke seien weiter zu berichten.

Das bestätigt Georg Zanger mit jahrelanger Erfahrung in derlei Mediencausen: "Es geht nur um die Belästigung bei privaten Tätigkeiten". Sobald ein Fußballstar sich abends in der Disco prügelt (ein weiteres Beispiel aus der deutschen Debatte), sei das natürlich von öffentlichem Interesse. Zanger würde übrigens weiterhin kein Problem darin sehen, Carolines Mann Ernst August dabei zu zeigen, wie er sich am Weltausstellungspavillon der Türkei erleichtert. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2004)

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    Fotografieren erlaubt: Ernst August und Caroline von Hannover bei einer Filmpremiere in Cannes. Dürfte man sogar beim öffentlichen Pinkeln, sagen österreichische Anwälte.

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