Flick-Schau in Berlin "stellt sich der Diskussion"

6. September 2004, 22:57
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Die ersten Bilder der umstrittenen Kollektion wurden vorgestellt

Berlin - Der Sammler und Industriellen-Erbe Friedrich Christian Flick hat am Dienstag die ersten Bilder seiner künftigen Ausstellung in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. "Ich bin begeistert, es ist besser als ich es mir in meinen kühnsten Träumen vorstellen konnte", sagte Flick zu der Architektur der riesigen Ausstellungshalle neben dem Hamburger Bahnhof. Er hatte für die Einrichtung acht Millionen Euro bezahlt. "Ich habe meine Sammlung noch nie in einem so großen Kontext gesehen."

Vom 22. September an werden dort sieben Jahre lang 2.500 Werke zeitgenössischer Kunst präsentiert. Die Ausstellungsfläche von 13.000 Quadratmetern hat "documenta"-Dimension. Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) sprach am Dienstag von einer "kunsthistorischen Sensation" und einer "einzigartigen Sammlung mit unbequemen Arbeiten von Weltrang". Sie wünsche sich auch, dass die unschätzbare Schau länger als sieben Jahre in Berlin gezeigt werden kann, die in Berlin eine Lücke der Moderne schließe.

Freunde und Feinde

Zu den teilweise heftigen Attacken gegen das Ausstellungsprojekt unter Hinweis auf die NS-Vergangenheit seines Großvaters sagte Flick: "Es waren schwierige und harte drei Jahre, aber auch spannende, in denen ich viele Freunde kennen gelernt habe und auch Feinde, denen ich meinen Respekt zolle." Er werde sich auch weiterhin der Diskussion stellen, sie dürfe nur nicht auf die Künstler übertragen werden. "Die Ausstellung darf nicht durch eine wie auch immer geartete ideologische Brille betrachtet werden." Salomon Korn und Michael Fürst vom Zentralrat der Juden hatten den Vorwurf erhoben, die Sammlung sei mit dem "Blutgeld" aus dem Flick-Vermögen der NS-Zeit bezahlt worden.

Zu kritischen Äußerungen seiner Schwester Dagmar Ottmann und seines Bruders Gert-Rudolf Flick meinte der Kunstsammler: "Dass es in Familien unterschiedliche Ansichten gibt, auch bei wichtigen Themen, ist natürlich. Ich möchte mich mit meinen Geschwistern aber nicht öffentlich auseinander setzen. Ich bin einen anderen Weg konsequent gegangen." Allerdings müsse er darauf hinweisen, dass seine Schwester erst im Jahr 2001 in den Zwangsarbeiterfonds eingezahlt habe, sein Bruder 2004. "Ich habe vor drei Jahren zehn Millionen Euro an eine Stiftung für Toleranz gezahlt, die bereits 45 Projekte besonders für Jugendliche unterstützt hat. Die Tatsachen sprechen für sich."

Debatte soll weiter gehen

Weiss verwies auf das umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung, in der auch die NS-Vergangenheit eine Rolle spielen werde. "Kunst kann aber nicht in Sippenhaft genommen werden, das haben die hier vertretenen Künstler nicht verdient." Es sei aber klar, dass die Gesellschaft "noch nicht fertig ist mit der Aufarbeitung von Schuld und Verantwortung, es wird keine Debatte abgewürgt".

Die Ausstellung wird in Themenräume gegliedert und auch einzelnen Künstlern gewidmet sein. "Bruce Naumann wird als Herzstück meiner Sammlung viel Platz eingeräumt", betonte Flick. Aber auch der 1997 früh verstorbene Martin Kippenberger liege ihm am Herzen. Von ihm präsentierte Flick inmitten zahlreicher noch nicht ausgepackter Gemäldekisten in der früheren, mehrere hundert Meter langen Speditionshalle am Dienstag das großformatige Bild "Der junge progressive Arzt" von 1985. "Wir zeigen zeitgenössische, auch provokante Kunst", betonte Flick. (APA/dpa)

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