Leichenöffnungen: Gerichtsmediziner protestieren gegen Gesetzesänderung

1. September 2004, 15:22
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Novelle würde "Verlust gutachterlicher Unabhängigkeit" bedeuten - Ministerium zu weiteren Gesprächen bereit

Wien - In einem offenen Brief protestieren neun Wiener Gerichtsmediziner gegen einen Gesetzesentwurf des Justizministeriums, der derzeit im Umlauf ist. Sollte dieser umgesetzt werden, dürften ab 2005 gerichtlich angeordnete Leichenöffnungen streng genommen nur mehr von den Leitern der österreichweit vier Gerichtsmedizinischen Institute vorgenommen werden. Da das nicht machbar ist - in Ostösterreich kämen auf eine einzige Person etwa 1.000 Obduktionen jährlich zu -, wäre laut Gesetzesvorhaben vorgesehen, dass die Vorstände "Subaufträge" zur Leichenöffnung an Personen ihrer Wahl delegieren.

Für die Gerichtsmediziner stellt das "eine Bündelung von Macht in einer Hand" dar. Beim Delegieren könne der Vorstand Leute heranziehen, die er für geeignet hält. "Das würde uns zu bloßen Hilfskräften degradieren", befürchten die Unterzeichner des offenen Briefes den Verlust ihrer gutachterlichen Unabhängigkeit.

Im Justizministerium nimmt man die Kritik der Wiener Gerichtsmediziner zwar ernst, beharrt aber auf dem Gesetzesvorhaben. "Die Intention ist die Qualitätssicherung der Gerichtsmedizinischen Institute", meinte Pressesprecher Martin Standl am Dienstagnachmittag.

Ob am Gesetzesentwurf noch etwas geändert wird, wird sich nach vom Justizministerium erbetenen Stellungnahmen des Wissenschaftsministeriums, der betroffenen Institute sowie der Medizinischen Universitäten entscheiden. (APA)

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