Als Fritsch Stiles einpackte

5. September 2004, 12:08
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1965 gelang Österreich in Wembley ein historischer Sieg - doch insgesamt wurde gegen England öfter verloren als gewonnen. Erst einmal traf man sich nicht bloß freundschaftlich

Wien - Österreich gegen England, das ist eine negative Bilanz mit sonnigen Abschnitten. Einer davon begab sich am 20. Oktober 1965, als ein Teambaby namens Toni Fritsch Österreich mit zwei Toren zu einem 3:2-Sieg in London schoss und fürderhin als "Wembley-Toni" bekannt war. Es sollten seine einzigen Tore im Team bleiben. "Was mir an diesem Tag gelang, werde ich mein ganzes Leben nie vergessen", sagt der Ex-Rapidler noch heute.

Der 20-jährige Fritsch wurde von Teamchef Edi Frühwirth als einer von insgesamt vier Debütanten (Robert Sara, Dirnberger, Stamm) in eine junge Mannschaft (Schnitt 23 Jahre) eingebaut. "Als ich schon von meiner Einberufung hörte, konnte ich eine Woche nicht schlafen. Es war eine unbeschreibliche Ehre für mein Land spielen zu dürfen", erzählt Fritsch.

"Wembley Toni"

Rund acht Monate vor der WM-Endrunde im eigenen Land hatten sich die Engländer Österreich, das elf Tage zuvor in Stuttgart 1:4 untergegangen war, als Sparring-Partner auserkoren und erlebten nach zehn Spielen ohne Niederlagen (je fünf Siege und Remis) eine böse Überraschung. Bis zur 73. Minute lief noch alles nach Plan, denn die Hausherren führten 2:1 (Tore: B. Charlton/3. Min., Connelly/59. bzw. Flögel/52.). Doch dann kam Fritsch.

Erfolgsgeheimnis Unbekümmertheit

In der 81. Minuten nahm er dem grimmigen Nobby Stiles den Ball ab, lief ein paar Meter und knallte aus 30 m drauflos: Die Kugel landete im rechten Kreuz - 3:2 für Österreich. "Wir sind damals unbekümmert aufgetreten, haben nicht viel gedacht, sondern uns etwas getraut. Das sollten die heutigen Teamkicker auch tun", meint Fritsch. Englands Teamchef Alf Ramsey war fassungslos und die Zeitungen schrieben von der "Nacht der Schande". Mit der erst dritten Niederlage gegen ein Team vom Kontinent (Ungarn 1953 und Schweden 1959) hatte niemand gerechnet.

Begonnen hatten die Vergleiche der beiden Länder im Juni 1908. In den ersten fünf Spielen, davon die ersten vier in Wien, ergatterten die Österreicher lediglich einen Punkt, kassierte 29 Tore und schoss selbst deren sechs. Der erste Sieg am 6. Mai 1936 (2:1) war die erste Niederlage der Engländer auf dem Kontinent.

Fast nur Freundschaftsspiele

Abgesehen von diesem 2:1 und dem erwähnten Triumph von 1965 glückten 1961 mit dem 3:1 (Tore: Nemec, E. Hof, Senekowitsch) und 1979 mit dem 4:3 (Tore: Pezzey und Welzl/je 2) jeweils in Wien nur noch zwei weitere Erfolge. Die bisherigen 15 Vergleiche waren mit einer Ausnahme Freundschaftsspiele. Das einzige Wettbewerbspartie fand am 15. Juni 1958 im Rahmen der WM-Endrunde im schwedischen Boraas statt und endete 2:2. (APA/red)

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    Der legendäre englische Back Nobby Stiles, der angeblich ohne Brille so gut wie nichts sah. 1965 von Toni Fritsch überrascht, montierte er wenige Monate später Eusebio ab.

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