Klien: "Eine schwierige Angelegenheit"

21. September 2004, 12:21
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Christian Klien im Inter­view über seine F1-Zukunft - Entscheidung über Jaguar-Option soll nicht vor China-GP am 26. September fallen

Wien - Christian Klien hat am Sonntag in der Formel 1-Weltmeisterschaft mit den ersten drei WM-Punkten für Platz sechs in Spa die richtige Antwort auf die zuletzt turbulenten Wochen gegeben. Mit einer Entscheidung über seine Zukunft rechnet der Vorarlberger nicht vor dem GP von China in Shanghai am 26. September, erst dann werde Jaguar bekannt geben, ob die Option auf Vertragsverlängerung für zwei weitere Saisonen wahrgenommen wird. Bis dahin heißt es weiter "Leistung zeigen", wie der 21-Jährige als Marschrichtung für die nächsten Wochen ausgab. Christian Klien im Telefoninterview mit der APA:

Wie groß ist die Erleichterung nach dem 6. Platz in Spa? Hat Sie der künftige Ausstieg von Red Bull bei Ford/Jaguar zusätzlich belastet?

Klien: Es herrschte schon extremer Druck, so etwas geht nicht spurlos an einem vorbei. Ich kann aber nur versuchen meine Leistung auf der Rennstrecke zu bringen und meinen Job zu machen.

Es war ja ein sehr turbulenter Grand Prix. Ihre heikelste Situation war wohl der Auffahr-Unfall von David Coulthard?

Klien: Das Rennen war wirklich turbulent, doch es hat auch Spaß gemacht. Ich habe meinen linken Rückspiegel verloren gehabt und Coulthard deshalb nicht gesehen. Wir haben nach dem GP noch miteinander gesprochen, da habe ich ihm auch erklärt, dass ich ihn nicht sehen konnte.

Ihnen wurde vereinzelt vorgeworfen, zu "brav" und passiv zu fahren. Als Sie in Belgien nach der zweiten Safety-Car-Phase Olivier Panis angriffen und überholten, war davon nichts zu sehen....

Klien: Es war ein Rennen mit vielen Überholmanövern und diesmal habe ich auch die Safety-Car-Phasen gut ausnützen können. Ich glaube nicht, dass ich ein zu "braver" Fahrer bin. Man darf auch nicht vergessen, dass für mich viele Strecken neu waren und ich mich im Gegensatz zu den anderen Fahrern erst an den jeweiligen Kurs gewöhnen musste.

Wie gehen Sie generell mit Kritik um? Beobachten Sie das mediale Geschehen um Ihre Person oder halten Sie das bewusst von sich fern?

Klien: Ich konzentriere mich auf jene Dinge, die ich beeinflussen kann. Wichtig ist, dass ich im Auto mein Bestes gebe.

Ist es korrekt, dass der 15. September als Termin für die Bekanntgabe Ihrer Formel 1-Zukunft geplant war bzw. ist?

Klien: Das ist der Termin für die Jaguar-Option, aber die Frist wird sicher verlängert. Ich rechne nicht damit, dass ein Entschluss vor China fallen wird.

Wie steht es um den Nachfolger bzw. Ersatzmann Ihres Teamkollegen Mark Webber?

Klien: Das Team will einen erfahrenen Fahrer. Da fallen mir Namen wie David Coulthard und Nick Heidfeld ein.

Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit Webber beurteilen? Gibt es so etwas wie gegenseitige Unterstützung oder steht einzig und allein der Konkurrenzgedanke im Vordergrund?

Klien: Ich habe viel von Mark gelernt. Er ist ein lockerer Typ und sehr nett, aber auf der Strecke sehr schnell. Man kann sich von ihm und seinem Fahrstil etwas abschauen und muss mit offenen Augen durch die Welt gehen.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach den Fahrer Michael Schuhmacher von den anderen Piloten, abgesehen von der Überlegenheit seines Ferrari.

Klien: Der siebente WM-Titel spricht für sich. Das ist eine gewaltige Leistung und eigentlich kaum in Worte zu fassen. Da kann man sich nur eine Scheibe abschneiden. Ich hatte bis jetzt noch nicht die Gelegenheit, um zu gratulieren, werde es aber demnächst nachholen.

Wie sieht eine vorläufige Zwischenbilanz ihres ersten Formel 1-Jahres aus. Womit sind Sie persönlich zufrieden und womit weniger?

Klien: Die Formel 1 ist eine kompakte und schwierige Angelegenheit. Es gibt Sachen, die Du erlernen musst und das hat einige Rennen gedauert. Ab Magny-Cours hat die Renn-Pace im Vergleich zu Mark Webber gepasst. Man lernt nie aus - jede Strecke ist ein neues Spiel und da musst Du immer aufs Neue an das Limit gehen.(APA)

  • Christian Klien unter Druck.

    Christian Klien unter Druck.

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