Britische Dicom will börsenotierten IT-Anbieter Topcall übernehmen

8. September 2004, 14:05
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Jobs bleiben, Börse soll verlassen werden - Bilanzziele weiter aufrecht - Brain Force sieht sich in "deutlich verbesserter Position"

Wien - Der britische IT-Dienstleister Dicom will den Wiener börsenotierten IT-Anbieter Topcall übernehmen. Dem Übernahmeangebot zufolge sei eine Komplettübernahme geplant, die Mindestanteil für ein Zustandekommen des Deals sei ein Erwerb von mindestens 75 Prozent bei einem Preis von vier Euro pro Aktie, sagte Topcall-Chef Herbert Blieberger am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Bei einem Anteil von über 90 Prozent würde Topcall von der Wiener Börse verschwinden. Erhalten bleiben sollen alle Arbeitsplätze sowie das Managementteam. An den Zielen für 2004 - ein Halten der Ergebnisse von 2003 - wird weiter festgehalten.

Marke bleibt erhalten

Topcall wird laut Blieberger eine eigene Business-Unit der Dicom, die Marke bleibe jedoch erhalten. Ziel der Übernahme sei es, die Synergien auf beiden Seiten zu nutzen. So sei Topcall der Experte für den IT-Workflow im Bereich SMS und Fax, während Dicom auf die Automatisierung von digitalisierten Papier-Management spezialisiert sei. Außerdem hätte man eine ähnliche Firmenstruktur und die annähernd gleichen Zielmärkte. Laut Topcall stehen die Chancen für eine Übernahme "gut", die wesentlichen Aktionäre wären jedenfalls bereit, für vier Euro zu verkaufen. Den niedrigsten Aktienkurs musste Topcall rund um die Anschläge in den USA im Jahr 2001 mit 1,20 Euro verkraften, der Höchstkurs wurde heuer mit 3,80 Euro erreicht.

Bereits seit einem Jahr arbeite man mit dem vom Schweizer Arnold von Büren geführten Unternehmen zusammen. Im Gegensatz zum heimischen IT-Anbieter Brain Force, der ebenfalls Interesse an Topcall hatte und seitdem im Rechtsstreit mit Topcall liegt, habe hier von Anfang an ein sehr konstruktives Gesprächsklima geherrscht, so Topcall.

"Verkauf wäre guter Schnitt für Brain Force"

Wie Brain Force auf das Übernahmeangebot reagieren werde, lasse sich derzeit nicht abschätzen, so Blieberger. Nachdem aber Brain Force zuvor einen 8,5 Prozent-Anteil um weniger als vier Euro erworben habe, "wäre ein Verkauf ein guter Schnitt für Brain Force", so Topcall-Finanzchef Christoph Stockert. Die Auszahlung erfolgt in bar. Gemäß Dicom-Angebot wird der Wert von Topcall auf 40,5 Mio. Euro veranschlagt.

Brain Force: "Gute Ausgangsposition"

Brain Force-Chef Helmut Fleischmann sieht sich jedenfalls in einer guten Ausgangssituation. "Unsere Position hat sich deutlich verbessert", erklärte er auf APA-Anfrage und betonte, dass man sich sowohl einen Verkauf des eigenen Anteils wie auch ein Konkurrenzangebot vorstellen könne. Als zweitgrößter Aktionär an der Topcall liege nun der Ball beim Topcall-Management. Die Klage gegen die Beschlüsse der vergangenen, außerordentlichen Hauptversammlung bei der Übernahmekommission bleibe jedenfalls aufrecht, so Fleischmann.

Firmensitz in Hampshire

Dicom ist an der Londoner Börse notiert und hat den Firmensitz in Hampshire (UK). Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 156,43 Mio. Pfund (233 Mill. Euro), gegenüber 149,53 Mio. Pfund im Jahr 2002. Das Betriebsergebnis erhöhte sich von 3,97 auf 8,93 Mio. Pfund, das Eigenkapital stieg von 65,66 auf 69,51 Mio. Pfund, so das Unternehmen. 49 Prozent des Aktienportfolios wird von institutionellen britischen Investoren gehalten, 38 Prozent halten private Aktionäre, 13 Prozent Management und Mitarbeiter. Von letzteren beschäftigt Dimoco 850, die rund 10.000 Kunden weltweit betreuen.

TopCall hat nach Verlusten im zweiten Quartal 2004 seine Jahresprognose für Umsatz und Gewinn nach unten geschraubt. Anstatt einer ursprünglich erwarteten Steigerung von 10 Prozent beim Betriebsergebnis (EBIT) geht man nun von einem EBIT auf Vorjahresniveau in Höhe von rund 1,5 Mio. Euro aus. Auch beim Umsatz strebe man ein Halten des Vorjahresniveaus von 28 Mio. Euro an, zuvor war ein zweistelliges Wachstum prognostiziert worden. (APA)

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