"Vollgetankt ins Rennen"

21. März 2007, 16:50
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Ein schnellstmöglicher Studienabschluss und umfassende Betreuung wiegen die hohen Studiengebühren und die strengen Aufnahmekriterien der Mailänder Università Bocconi auf

"Ich bin stolz, hier zu sein", meint Michael Geier, der seit zwei Jahren an der Università Commerciale Luigi Bocconi studiert. Stolz ist Geier wohl, weil die Mailänder Universität in verschiedensten Publikationen immer wieder unter die besten Wirtschaftsuniversitäten gereiht wird und im Durchschnitt nur jeder fünfte Bewerber auch tatsächlich zum heiß ersehnten Studium zugelassen wird.

Vor etwas mehr als zwei Jahren hat sich der Steirer mittels Dossier, bestehend aus Lebenslauf, Zeugnissen und Empfehlungsschreiben, erfolgreich an der Mailänder Eliteuniversität beworben und für den so genannten DIEM-Kurs eingetragen. DIEM ist die Kurzform für "Degree in International Economics and Management" und steht neben CLEA ("Corso di laurea in Economia Aziendale") für eines der beiden internationalen Studienprogramme, die mit einem Bachelor of Arts abschließen. Ähnlich wie an vielen anderen europäischen Wirtschaftsuniversitäten startet das Studium mit einer einjährigen Studieneingangsphase, in der allgemeine fachliche und methodische Grundlagen vermittelt werden sollen. Es folgen zwei weitere Jahre mit (je nach Studienwahl) volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen (DIEM) oder rein betriebswirtschaftlichen (CLEA) Spezialisierungen, bevor mit dem MBA-Programm begonnen werden kann.

Das Besondere an diesen beiden Studienprogrammen ist die internationale Ausrichtung. Sowohl CLEA als auch DIEM sind englischsprachige Kurse, in denen 50 Prozent der Studierenden von außerhalb Italiens kommen. Student Michael Geier schätzt das sehr: "Meine Studienkollegen gehören über dreißig verschiedenen Nationen an, mit zig verschiedenen Kulturen. Die Leute sind viel offener als in Österreich oder in Deutschland."

Kulturell durchmischt Auch innerhalb des MBA-Programms ist man von der Internationalität an der Universität Bocconi begeistert. "Nachdem wir hier alle aus Ländern mit verschiedenen Kulturen und Schulen stammen, kommt es bei gemeinsamen Arbeiten zu völlig unterschiedlichen Betrachtungsweisen und Ansätzen, die man sonst vielleicht gar nicht berücksichtigen würde, die aber sehr wichtig sind", so etwa eine deutsche Studentin.

Professor Valter Lazzari, MBA-Director der Universität, kann das bestätigen. Er sehe sich in seinen Seminaren oft "nur" als "Moderator": "Unsere Studenten lernen sehr viel voneinander."

Nachdem das DIEM- beziehungsweise CLEA-Studium allerdings - abhängig vom Einkommen der Eltern - zwischen 1700 und 4300 Euro pro Semester und damit beispielsweise zwei- bis sechsmal so viel wie ein Wirtschaftsstudium an der Schweizer Universität St. Gallen kostet, stellt sich die Frage, inwieweit das Studium eine derartige Investition wert ist. Christiane Roth, Koordinatorin der Abteilung "International Recruitment Services" der Mailänder Uni, erklärt das folgendermaßen: "Im Gegensatz zu manchen anderen europäischen Universitäten bieten wir rein englischsprachige ,Undergraduate Degree Programs' an. In jedem dieser Kurse sind nicht mehr als 70 bis 80 Studenten, die eine hervorragende Betreuung seitens der Professoren genießen." Unter anderem deswegen, meint Roth, "schließt der Großteil unserer Studenten auch wirklich nach sechs Semestern ab."

Die Studierenden sehen das ähnlich: "Hier passiert es dir nicht, dass du keinen Platz in einer Vorlesung bekommst oder nicht zur Prüfung antreten kannst", ist man sich einig. Professor Lazzari vergleicht das Mailänder Studium an der Universität Bocconi gerne mit einem "Boxenstopp in der Formel 1": "In der kürzestmöglichen Zeit und vollgetankt ins Rennen gehen."

Abseits des architektonisch weniger anziehenden Campus der Universität lässt es sich in der Mode- und Finanzhauptstadt Italiens auf alle Fälle gut leben. Mailand bietet jede Menge Kultur und Unmengen an Freizeitaktivitäten. Vor allem das bunte Nachtleben erfreut sich sehr großer Beliebtheit. Wenn man Zeit und Geld hat, geht man gerne in die diversen italienischen Restaurants, Bars oder Discos. Denn, so hört man aus Studentenkreisen: "In Mailand gibt es immer was zu feiern." (Der Standard, Printausgabe 28./29.8.2004)

Von Daniel Schlager
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