Litt Mozart am Tourette-Syndrom?

6. September 2004, 22:35
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Der britische Komponist James McConnel diagnostiziert die psychische Störung - an sich selbst übrigens auch

London - Nachdem im "Spiegel" eben erst von Siechtum und Tod von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) infolge von Syphiliserkrankung und Selbstmedikation die Rede war, hat er einer britischen Fernsehdokumentation zufolge zuvor möglicherweise an einer psychischen Störung gelitten, die mit nervösen Ticks und zwanghaftem Fluchen einhergeht. Es handele sich um das Tourette-Syndrom, sagte der britische Komponist James McConnel, der selbst daran leidet, in der Channel-4-Produktion, die am 4. Oktober gezeigt wird. Belege dafür fänden sich sowohl in Mozarts Briefen als auch in seiner Musik.

McConnel verweist unter anderem auf die vielfach dokumentierten Zuckungen des österreichischen Komponisten, auf seine "zwanghafte Beschäftigung" mit Uhren, Schuhgrößen und Apparaten sowie seine Neigung zu Wortspielen und derben Ausdrücken. "Tourette ist ein fortwährender Kampf zwischen Chaos und Kontrolle, einem Zwang und dem Versuch, ihn zu kontrollieren, und das setzt sich dann in Musik um", sagte McConnel. "Mozart ließ seine Musik in chaotische Richtungen treiben, brachte sie dann aber immer wieder unter Kontrolle."

Die Störung sei aber nicht die Erklärung für Mozarts Größe: "Das Tourette-Syndrom hat vielleicht die Art, in der sich sein Genie geäußert hat, beeinflusst", sagte er. "Aber auch ohne das Syndrom wäre er ein brillanter Komponist gewesen." Die Produzentin der Sendung, Marion Milne, sagte, es gehe keinesfalls darum, Mozart zu diskreditieren. Vielmehr werde die Sendung seine "außergewöhnliche Leistung" und Persönlichkeit feiern. (APA/dpa/red)

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    foto: filmarchiv

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