Wifo-Chef warnt vor zu hohen Lohnforderungen

20. September 2004, 16:40
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Kramer: Lohnsenkung "volkswirtschaftlich nicht empfehlenswert" - Nachfolge wird voraussichtlich im September ausgeschrieben

Wien - Nach Ansicht von Wifo-Chef Helmut Kramer könnten zu hohe Lohnforderungen der Arbeitnehmer bei der diesjährigen Herbstlohnrunde, die am 27. September beginnt, das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen. "Wir haben einen hohen Import von Treibstoffen zu hohen Preisen, und das führt automatisch zu einem Kaufkraftabfluss. Daher müssen sich die Verhandlungspartner bei der Abgeltung von gestiegenen Preisen sehr, sehr vorsichtig bewegen", warnte der Leiter des Wirtschaftsforschungsinstitutes am Dienstag im ORF-Morgenjournal.

"Flexibilisierung ein wichtiges Thema"

Flexibilisierung sei jedenfalls "unter allen Gesichtspunkten ein wichtiges Thema", betonte Kramer. Eine Verlängerung des Durchrechnungszeitraumes, um die Überstunden zu senken, sei "ein alter Wunsch, und er liegt, glaube ich, ökonomisch auf der richtigen Seite", so Kramer. Flexibilisierung könne auch heißen, dass durch bessere Auslastung der Maschinen und Anlagen ein Kapitalkosten-Vorteil entstehe.

Andererseits halte er aber auch nichts von einer Lohnpolitik, die zu einer Senkung der Löhne pro Kopf führe, sagte der Wifo-Chef. Das sei in der gegenwärtigen Situation volkswirtschaftlich nicht empfehlenswert. "Ich glaube aber, dass Flexibilisierung zu einer Senkung der Kapitalkosten führt und dass das schon der richtige Weg ist. Das kann in den Löhnen ausgeglichen werden, zumindest teilweise."

Nachfolge "auf besten Geleisen"

Was die Frage seiner Nachfolge betrifft, befindet sich für Kramer "alles auf den besten Geleisen". Er habe seinen Wunsch, sich aus dem aktiven Geschehen in der Wirtschaftsforschung zurückzuziehen, bereits bei Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl deponiert. Leitl werde voraussichtlich im September eine öffentliche und internationalen Ausschreibung veranlassen. Er werde aber "nicht am 31.12. meinen Computer abschalten oder meinen Bleistift fallen lasse, also es sind Übergangsregelungen schon denkbar", erklärte Kramer. (APA)

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