Öle für die Wellness-Industrie

6. September 2004, 12:48
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Studie der Uni Graz und der Joanneum Research widmet sich Bedingungen zum Anbau heimischer Aromapflanzen

Graz - In der Oststeiermark könnten möglicherweise schon bald Bauern von der Kernöl-Produktion auf ätherische Öle umsatteln: Aus Mangel entsprechender einheimischer Produkte wurden die aromatischen Essenzen nämlich bisher größtenteils importiert. An der Universität Graz und dem Joanneum Research wird die Frage der Wirtschaftlichkeit eines solchen "Kräuteranbaus" untersucht und zugleich ermittelt, unter welchen Bedingungen die duftende Ausbeute von Kamille und Schafgarbe, Muskatellersalbei, Zitronenmelisse und Römischer Kamille am höchsten ist.

Ätherische Öle aus Pflanzen sind aus Pharmazie, Kosmetik und Lebensmittelindustrie nicht wegzudenken und spielen auch im Wellness-Bereich eine große Rolle. "Es ist nicht sinnvoll, wenn die oststeirischen Thermen Wirkstoffe von weit her beziehen, wo man doch in der nächsten Umgebung permanent auf der Suche nach ertragreichen Alternativkulturen ist", so die Pharmakognostin Adelheid Brantner vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz.

Zeitgerechte Ernte

Wie aber sichert man sich wirklich den besten Ertrag an dem duftenden Kräuterwerk? Schafgarbe und Zitronenmelisse weisen beispielsweise um die Mittagszeit - in etwa um 14.00 Uhr - den höchsten Ölgehalt auf. Allerdings ernte man die Schafgarbe zur Zeit der Vollblüte, die Melisse aber vor dem Blühstadium. Das sind die ersten Ergebnisse der Studien, die neben der Frage des besten Schnittzeitpunkts auch die Wirkung der Sonneneinstrahlung, der Bodenbeschaffung und Feuchtigkeit auf den Gehalt an ätherischen Ölen klären soll.

Brantner arbeitet gemeinsam mit Kollegen vom Joanneum Research an der Beantwortung der Fragen im Projekt "Aroma". Die aus Mitteln der Technologie Impulse Gesellschaft (TIG) im Rahmen des vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie unterstützte Studie soll aber auch herausfinden, ob sich der Anbau von heimischen Kräutern überhaupt bezahlt macht. Drei Anbaugebiete mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen stehen im Mittelpunkt des Forscherinteresses: Bad Blumau auf 285 Metern, Oberlungitz auf 400 Metern Seehöhe und St. Jakob im Walde, das sich mit 1.000 Metern Seehöhe bereits als nicht mehr ideal erwiesen hat. Die Proben entnahmen die Forscher aus genau vorgegebenen Versuchsparzellen, auf denen nach einem exakten - bis in Zweistundenabstände eingeteilten - Zeitplan geerntet wurde.

Wirtschaftlichkeitsstudien

Die Forschungen des Pharmazeuten-Teams werden ergänzt durch umfangreiche Wirtschaftlichkeitsstudien des Instituts für nachhaltige Techniken und Systeme des Joanneum Research. "Es wird genauestens berechnet, welche Kosten vom Samen über die Pflege bis zur Ernte entstehen und mit welchem Arbeitsaufwand zu rechnen ist", erklärt Brantner. Dabei werde auch ein Vergleich zwischen händischer Ernte und der Mahd gezogen. Letztlich will man den Landwirten ein umfassendes Dokument anbieten, auf deren Basis sie entscheiden könne, ob ein Umstieg auf Duftkräuter nicht nur äußerst viel versprechend riecht, sondern sich auch lohnt. (APA)

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    derstandard.at
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