Der Blick zurück als Strategie für die Zukunft

1. September 2004, 18:49
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Die Ars Electronica öffnet ihre Pforten - und Gerfried Stocker bleibt ihr Leiter

Linz - Gerfried Stocker, seit 1996 gemeinsam mit Christine Schöpf künstlerischer Leiter der Ars Electronica, führt auch in den nächsten Jahren die Geschäfte des Linzer Festivals für Kunst, Technologie und Gesellschaft. Das gab der Magistrat Dienstag bekannt. Für die Position hatten sich 24 Personen beworben. Stockers neuer Vertrag ist auf fünf Jahre befristet - bzw. auf sechs, wenn Linz den Zuschlag für die Europäische Kulturhauptstadt 2009 erhalten sollte.

Die Kommission fällte die Entscheidung am Montag mit Mehrheitsbeschluss - und damit zeitgerecht vor Beginn der diesjährigen Ars Electronica: Sie hat ab Mittwoch, 1.9., ihre Pforten geöffnet. Bereits vor der offiziellen Eröffnung (am Freitag) gibt die Konferenz Language of Networks Einblick in Netzwerktheorien und -visualisierungen.

Im Zeitenwandel

Unter dem Motto Timeshift - Die Welt in 25 Jahren erwarten die Besucher der Ars heuer einige Blicke in die Zukunft. Zeitenwandel und Umbruch sind Schlüsselbegriffe, um die es diskursiv wie künstlerisch gehen wird. Kunst reflektiert hier die Rahmenbedingungen, unter denen gesellschaftliche Transformationsprozesse ablaufen, in einer analytischen Weise.

Gleichzeitig feiert das Festival heuer sein 25-jähriges Jubiläum. Der Blick in die Vergangenheit dient als Strategie für Zukunftsentwürfe, um zu sehen, wohin es mit der Zukunft geht, und so vielleicht zu evaluieren, welche Trends es sein werden, die - ausgelöst durch technologische Entwicklungen - unsere Zukunft beeinflussen und ausmachen:

Wie gehen wir mit Trends um? Haben wir in den letzten 25 Jahren gelernt, uns gegenüber diesen Phänomenen (neuen Trends und dem Umstand, dass manche gehypt, andere unhinterfragt kritisiert werden) aufgeklärter zu behaupten? Wie gehen wir mit dem Sog wissenschaftlich-technischer Dynamik und den damit einhergehenden ethisch-moralischen Fragen um? Das sind zentrale Fragen, die das umfangreiche Programm zu erörtern versucht.

Die Ars, die sich vor allem durch ihren interdisziplinären Aspekt auszeichnet, nimmt dabei Künstler und Wissenschaftler gleichermaßen ernst. Der Rahmen des Festivals ermöglicht es beiden, sich so zu äußern, dass es für ein großes Publikum verständlich wird. Eine Reihe von Symposien und Konferenzen werden auch diesmal wieder diese Synergien nutzen.

Musik und Radiokunst ist genauso zu erleben wie ein Projekt von Klaus Obermaier (Apparition). Gedanken über die Zukunft von Linz stehen genau so am Programm wie Ausblicke in die Zukunft des Brain-Computer-Interface, wo Hirnströme einen Computer direkt steuern können. Oder die Klangwolke (am 4. 9.), die heuer vom Austroamerikaner Peter Wolf visualisiert wird.

Zwei Ausstellungen zeigen neue und historische Projekte von Prix-Gewinnern. Die preisgekrönten Arbeiten von heuer sind im Rahmen der Schau CyberArts 2004 zu sehen. Digital Avant-Garde/Prix Selection wiederum bietet eine Auswahl von Arbeiten, die seit 1990, dem Jahr, in dem "Interaktive Kunst" als Kategorie eingeführt wurde, einen Preis erhalten haben.

Das Festival dauert heuer sieben statt wie bisher fünf Tage (bis 7. September). Die Eröffnung verschmilzt diesmal mit der Prix ArsElectronica Gala zu einer großen Veranstaltung: Neben der festlichen Eröffnung werden die Goldenen Nicas vergeben. (fn, APA / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.9.2004)

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    Gerfried Stocker

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