Sacher-Chefin kommt in OeNB-Generalrat

8. September 2004, 13:43
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Elisabeth Gürtler vor Einzug in Notenbank

Wien - Am 9. September wird Elisabeth Gürtler-Mauthner, die Chefin des Wiener und Salzburger Hotel Sacher, eine reputierliche Funktion mehr innehaben. Im Rahmen der für diesen Tag angesetzten außerordentlichen Generalversammlung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) werden die Eigentümervertreter die studierte Handelswissenschafterin aller Voraussicht nach in den Generalrat der Notenbank wählen.

Gürtler wird Lorenz Fritz nachfolgen, der bis Mitte August Generalsekretär der Industriellenvereinigung war und nun auch sein OeNB-Kontrolleursamt zurücklegt.

Platz nehmen wird die 54-jährige Wiener-Opernball-Chefin auf einem Ticket des Raiffeisen-Sektors. Zur Erklärung: Das Grundkapital der OeNB (zwölf Millionen Euro) hält zur Hälfte der Bund, die zweite Hälfte teilen sich Interessensvertretungen wie Industriellenvereinigung oder ÖGB sowie österreichische Banken.

Bei der Bestellung von Industriellenfunktionär Lorenz Fritz zum OeNB-GeneralratMitglied Ende der Neunzigerjahre hatten die Raiffeisen-Chefs ihr Placet "unter der Bedingung gegeben, dass bei der nächsten Bestellung wieder wir entscheiden", so ein Raiffeisen-Manager zum STANDARD.

Die Bestellung Gürtlers, die derzeit hauptberuflich das Hotel Sacher hinter der Wiener Staatsoper renovieren lässt, ist dem Vernehmen nach mit der Industriellenvereinigung nicht abgesprochen. Allerdings habe sich deren neuer Präsident, Veit Sorger, ebenso wie Raiffeisen-Boss Christian Konrad "für die Entsendung einer Frau ins Kontrollgremium" der Notenbank ausgesprochen, verlautet aus Eigentümerkreisen.

Tatsächlich sitzen derzeit im Generalrat der Notenbank bis auf eine Ausnahme nur Männer; wenigstens die Arbeitnehmervertreter haben eine Kontrollorin ins 14-köpfige Gremium entsandt.

Ein wenig Erfahrung in der Beaufsichtigung von Banken hat die studierte Handelswissenschafterin und Hotelmanagerin wohl bereits sammeln können. Elisabeth Gürtler, Mutter eines Sohnes und einer Tochter, hat Sitz und Stimme im Aufsichtsrat der Erste Bank. (DER STANDARD Prinatausgabe 31.08.2004, Renate Graber)

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