Gebäude ist gut, Kontrolle ist besser

2. September 2004, 10:49
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Die Aufgaben, die private Objektschützer zu erfüllen haben, haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt - Statt des klassischen Nachtportiers werden verstärkt flexible Lösungen eingesetzt

Mit dem Nachtwächter von einst will die Sicherheitsbranche von heute nichts mehr zu tun haben. Statt simpler 24-Stunden-Bewachung seien vielmehr maßgeschneiderte Lösungen gefragt, die auch komplexe Technik miteinschließt, betonen die großen Unternehmen. Konkurrenz zur Exekutive sehen die Sicherheitsmanager nicht, hoffen aber auf künftige Aufgabenverlagerungen.

Wichtigste Voraussetzung für erfolgreichen Objektschutz in Industrie und Gewerbe ist die Vorabanalyse, sind sich der Vorstand des heimischen Marktführers Group 4 Falck, Stephan Landrock, und Martin Wiesinger, Chef der Österreich-Dependance des weltgrößten Sicherheitsunternehmen Securitas, einig.

"Zunächst sind die Schwachstellen des Gebäudes zu identifizieren. Da kann man mit mechanischen Sicherungen wie Gittern, Panzerglas oder neuen Türen schon viel erreichen", erläutert Landrock. Zum Erkennen eines "kriminellen Angriffs" empfiehlt er den Einbau einer Alarmanlage, die auch die Möglichkeit bietet, Videobilder in die Alarmzentrale des Sicherheitsdienstleisters zu übertragen.

Weg vom "static guarding"

Für Securitas-Geschäftsführer Wiesinger geht der Trend ebenfalls weg vom "static guarding", wie das klassische System des Nachtportiers genannt wird. "Man muss sich das individuell anschauen: Bei großen Betrieben können zum Beispiel tagsüber zwei Mitarbeiter die Aufgaben übernehmen, in den Morgen-und Abendstunden nur einer und während der Nacht wird der Betrieb von Revierstreifen überwacht."

Von diesen Streifen hat laut Group-4-Chef Landrock allein sein Unternehmen 30 bis 50 jede Nacht in Wien im Einsatz. Je nach Kundenwunsch übernehmen sie die unterschiedlichsten Aufgaben. Die reichen von einem einfachen Rundgang um das Gebäude über das Einschalten von Alarmanlagen bis hin zu Kontrollen im Objekt. Dabei wird nicht nur nach dunklen Gestalten Ausschau gehalten, sondern auch kontrolliert, ob in Toiletten Wasser ausrinnt oder die Herdplatte noch eingeschaltet ist.

Der Preis für diesen Service variiert je nach Aufwand und Lage des Objektes zwischen 50 Cent und einem Euro pro Minute. Liegt es weitab der üblichen Route, kommen höhere Anfahrtskosten dazu, wird nur die "Außenhautüberprüfung" eines zentral gelegenen Geschäftes verlangt wird es günstiger.

Um die Kosten für den Auftraggeber transparent zu gestalten und Betrügereien zu vermeiden, kommt eine österreichische Erfindung zum Einsatz, wie Stephan Landrock stolz betont. Vor rund 20 Jahren habe die Group 4 das "Guard Control System" entwickelt. Es besteht aus kleinen Computerchips, die entlang der Route im Gebäude installiert sind. Dreht die Streife ihre Runde, müssen die Mitarbeiter mit einem kleinen Lesegerät über die Chips fahren. So kann dokumentiert werden, wie lange der Kontrollgang gedauert hat.

Aufgabenverteilung

Von der derzeit heftig diskutierten Exekutivreform, deren Ziel für die Verantwortlichen im Innenministerium auch ist, in der kritischen Nachtzeit mehr Polizisten zur Verfügung zu haben, lassen sich weder Wiesinger noch Landrock beeindrucken. "Wir sind keine Gefahr für die Polizei und sie nicht für uns", ist Securitas-Geschäftsführer Wiesinger überzeugt, "wir konzentrieren uns viel stärker auf den Service- und Präventionsbereich."

Beide hoffen jedoch auf eine Änderung der Aufgabenverteilung. Denn derzeit können private Alarmanlagen direkt zur Polizei geschaltet werden. Eine Regelung, mit der die Exekutive wegen der Tausenden Fehlalarme nicht recht glücklich ist. Die Privaten hoffen nun, dass künftig Notrufe zuerst über ihre Alarmzentralen gehen müssen. (Michael Möseneder, Der Standard, Printausgabe, 31.08.2004)

  • Für Securitas-Geschäftsführer Wiesinger geht der Trend ebenfalls weg vom "static guarding", wie das klassische System des Nachtportiers genannt wird
    foto: group4

    Für Securitas-Geschäftsführer Wiesinger geht der Trend ebenfalls weg vom "static guarding", wie das klassische System des Nachtportiers genannt wird

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