Dissonanzen vor Bösendorfer-Umzug

6. September 2004, 22:57
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Insider warnen vor zu hohen Kosten

Wien - Der Zeitplan ist ehrgeizig. Und, lässt man im Hause Bösendorfer durchklingen, die Hoffnung, schon im Jänner 2006 zu übersiedeln, bezeuge auch, dass man davon ausgeht, dass Ämter, Behörden und Politik mitspielen: Man erwarte keine Probleme.

Wie berichtet will die traditionsreiche Klaviermanufaktur aus der Wiedener Graf-Starhemberggasse in die Villa Primavesi in Hietzing ziehen. Als Grund für die Übersiedelung in die Villa, die von Josef Hofmann von 1912 bis 1915 errichtete, wird auch akuter Platzmangel bei Bösendorfer ins Treffen geführt.

Freilich: Während der Firmensitz in der Starhemberggasse 4600 m² groß ist, bietet die Villa nur 1700m². Und während man auf der Wieden einen Konzertsaal hat, müsste der in Hietzing erst errichtet werden. Prognostizierte Kosten: sieben Millionen Euro. Allerdings wäre da eine Besuchergarage schon dabei.

Dass die Klavierbauer sich das - wie mancher beim Besitzer, der Bawag, unkt - sogar bei einer deutlich rosigeren Auftragslage nicht leisten könnten, dementiert Bösendorfer-Geschäftsführer Manfred Aichinger nicht: "Wir machen 15 Millionen Euro Umsatz, da wäre das nicht zu finanzieren." Allerdings käme die Investition ja nicht von Bösendorfer, sondern vom Besitzer. Und die Bawag, so Aichinger, würde in Sachen Bösendorfer nicht primär an Rentabilität denken: "Bösendorfer ist Teil des Kultursponsorings."

Offiziell sieht man das beim Sponsor/Besitzer ähnlich. Langfristig, so Bawag-PSK-Leasing-Chef Friedrich Primetzhofer, sei es nämlich sinnvoller in Hietzing in eine konzerneigene Immobilie zu investieren, als auf der Wieden die von 60.000 auf 200.000 Euro pro Jahr gestiegene Miete zu zahlen: "Auch dort müssten wir investieren."

Intern kursierender Kritik an der dezentralen Hietzinger Standortwahl kann Primetzhofer daher ebenso wenig abgewinnen wie Befürchtungen, das Renomée von Bösendorfer könnte darunter leiden, in einem einst "arisierten" Gebäude zu residieren: "Die Villa wurde arisiert und rückerstattet. Jahre später haben die Besitzer sie zu einem damals marktkonformen Preis veräußert. Dass so ein Gebäude ein wechselvolle Geschichte hat, liegt in der Natur der Sache." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 8. 2004)

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