Russland verkauft letzte Lukoil-Anteile

8. September 2004, 12:56
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Der US-Ölkonzern ConocoPhillips gilt als Favorit von Putins Gnaden - Amerikaner wollen Sperrminorität erwerben

Es wird einer der größten und attraktivsten Privatisierungsverkäufe in der russischen Geschichte. In der Vorwoche hat die Regierung erklärt, dass der Staat seine letzten 7,59 Prozent Anteile an der größten russischen Ölgesellschaft "Luk^oil" auf einer offenen Auktion am 29. September veräußert. Seit Montag können potenzielle Käufer ih-‑ ren Bewerbungsantrag einreichen. Der Startpreis liegt bei 1,928 Mrd. Dollar (1,6 Mrd. Euro) – 29,83 Dollar für jede der 64,6 Mio. Aktien.

Attraktiv und ungewöhnlich ist der Verkauf, da explizit ausländische und Offshore- Firmen zur Auktion zugelassen und russische Firmen mit einem Staatsanteil von mehr als 25 Prozent ausgeschlossen sind. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass der‑ Käufer schon feststeht. So hat der amerikanische Ölkonzern ConocoPhillips seine Teilnahme an der Auktion angekündigt und Firmenchef James Malva – in Zeiten der Reprivatisierung des Yukos-Konzerns! –(lt. Ruff)bereits Ende Juli bei einem Treffen mit Wladimir Putin das Placet des russischen Staatschefs erhalten.

Scheingefecht Als einziger Konkurrent trat bislang die Firma Dabir des US-Unternehmers David Guggenheim ins Rennen – möglicherweise, wie russische Analysten vermuten, von ConocoPhillips selbst zum Scheingefecht eingeladen.

Alle großen russischen Firmen dementierten gegenüber der Zeitung Kommersant eine Teilnahme an der Auktion. Von Anfang an kursierten Vermutungen, dass es ConocoPhillips nicht bei diesem Anteil belassen wird. In die russische Presse sickerte durch, dass man mindestens 20 Prozent an Lukoil erwerben will, die Agentur Reuters zitierte einen mit dem Deal vertrauten Insider, der von der beabsichtigten 25-Prozent-Sperrminorität sprach.

Die Russen seien an der amerikanischen Ölverarbeitung interessiert, die Amerikaner bräuchten die Anteilsaufstockung, um einerseits‑ im operativen Geschäft mitmischen zu können und andererseits mit den neuen Anteilen die Firmenressourcen bis über 50 Prozent zu erhöhen. Offen bleibt, ob ConocoPhillips die übrigen Anteile vom russischen Management – das nach unterschiedlichen Schätzungen 50 bis 70 Prozent der Lukoil-Papiere hält – oder im freien Handel erwirbt. Lukoil verfügt über 20,1 Mrd. Barrel Ressourcen, ConocoPhillips über 7,8 Mrd. Barrel. Mit einer Vorjahresförderung von 81,5 Mio. Tonnen Öl hatte Lukoil 3,7 Mrd. Dollar Reingewinn eingefahren, ConocoPhillips mit 46 Mio. Tonnen 4,7 Mrd. Dollar. (DER STANDARD Printausgabe 31.08.2004)

Eduard Steiner aus Moskau
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