Ultimatum zur Entwaffnung der Milizen läuft ab

1. September 2004, 19:20
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Regierung hofft auf "vernünftige Entscheidung" des UNO-Sicherheitsrats - Nigeria entsendet Soldaten

Al Fasher/Sudan - Die sudanesische Regierung hat am Montag mit Ablauf des UNO-Ultimatums zur Entwaffnung der in der Provinz Darfur marodierenden arabischen Milizen die Hoffnung auf eine "vernünftige Entscheidung" des Sicherheitsrats geäußert. "Natürlich sind wird besorgt", sagte Außenminister Mustafa Osman Ismail in Khartum. Die UNO wirft Khartum vor, die Zivilbevölkerung in Darfur nicht ausreichend zu schützen.

Vergewaltigungen und Bedrohungen von Flüchtlingen seien weitverbreitet, sagte der UNO-Gesandte Dennis McNamara am Montag in Nairobi. Auf die Frage, ob Khartum genug tue, um die Zivilisten zu schützen, sagte McNamara, UN-Sonderberater für die Hilfe Vertriebener: "Offensichtlich nicht." Nach wie vor werde Druck auf Zivilisten ausgeübt - teilweise auch durch Behörden -, wieder in ihre unsicheren Heimatdörfer zurückzukehren. Viele Frauen und Mädchen würden von mehreren Milizionären und mehrfach vergewaltigt. In einem Fall sei eine Siebenjährige missbraucht worden. Die Täter würden nicht strafrechtlich verfolgt, sagte McNamara.

Umsetzung

UNO-Generalsekretär Kofi Annan wollte noch am Montag den Sicherheitsrat in New York über die Umsetzung der Vorgaben unterrichten. Der UNO-Sondergesandte für den Sudan, Jan Pronk, soll dem Gremium am Donnerstag Bericht über die Lage in der westsudanesischen Krisenregion Darfur erstatten. Den Angaben zufolge leben in zwölf Flüchtlingslagern in Nord-Darfur etwa 400.000 Vetriebene.

Unterdessen flogen 155 nigerianische Soldaten der AU-Schutztruppe von Abuja aus in die Krisenregion Darfur. Dort ist bereits ein ruandisches Kontingent. Aufgabe der rund 300 Mann starken nigerianisch-ruandischen Truppe ist es, die AU-Beobachter zu schützen, die eine Waffenruhe zwischen Regierung und Rebellen überwachen.

Maßnahmen

Die UNO hatte dem Sudan mit nicht näher bezeichneten Maßnahmen gedroht, falls die marodierenden Banden bis zum 30. August nicht entwaffnet sein sollten. Nach UNO-Angaben wurden in den vergangenen 18 Monaten in Darfur rund 1,2 Million Schwarzafrikaner von den Reitermilizen vertrieben, den so genannten Janjaweed. Rund 30.000 Menschen sollen getötet worden sein. Menschenrechtsgruppen werfen der Regierung in Khartum vor, die Janjaweed zu unterstützen. Die Regierung hat dies zurückgewiesen. "Wir hoffen, dass der Sicherheitsrat zu einer vernünftigen Entscheidung gelangt, die uns hilft, die Zusammenarbeit fortzusetzen", sagte Ismail. (APA/dpa)

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    Ein Mitglied des Justice and Equality Movement (JEM), einer Rebellenorganisation in Darfur.

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