Informations- und Consulting-Branche mit schwacher Eigenkapitaldecke

7. September 2004, 10:42
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Nach wie vor schwierige Situation für Kleinbetriebe

Die KMU Forschung Austria hat in einer Analyse festgestellt, dass die Finanzierungssituation und die Ertragslage österreichischer Informations- und Consulting-Betriebe insgesamt relativ zufrieden stellend ist. Die Finanzierung und die Gewinnsituation für Kleinbetreibe gestaltet sich allerdings nach wie vor schwierig, beurteilt die Bundessparte Information und Consulting der WKÖ die Lage.

Die höchsten Gewinne werden bei Betrieben mit einem Jahresumsatz zwischen zwei und vier Mio. Euro erzielt. Die Umsatzrendite liegt dort bei 5,3 Prozent. "Großunternehmen mit einem Jahresumsatz über 40 Mio. Euro weisen lediglich eine Umsatzrendite von 0,9 Prozent auf", erklärte Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria, heute, Montag, auf einer Pressekonferenz. Trotz der schwierigen Situation für Kleinbetreibe wächst die Sparte Information und Consulting immer weiter. Im ersten Halbjahr 2004 wurden insgesamt 4.014 Neugründungen verzeichnet. Allein 1.412 neue Unternehmen wurden im Bereich Unternehmensberatung und IT gegründet.

Obwohl die Durchschnittswerte der Sparte Information und Consulting im Großen und Ganzen positiv sind, fehlt es 34,6 Prozent der untersuchten Unternehmen an Eigenkapital. Die Überschuldung betreffe vor allem Klein- und Kleinstbetriebe, meinte Bornett. Unternehmen mit einem Jahresumsatz unter 300.000 Euro weisen eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von 0,8 Prozent auf. Insgesamt 46 Prozent dieser Betriebe seien ausschließlich fremd finanziert, erklärte Bornett weiter.

Die durchschnittliche Eigenkapitalquote österreichischer Unternehmen beträgt 17 Prozent. Diesen Wert erreichen Unternehmen mit einem Jahresumsatz über 4 Mio. Euro. "Alle Unternehmen mit einem geringeren Jahresumsatz haben ein sehr kleines Risikopolster für mögliche Konjunktur- oder Struktur-Veränderungen", so Bornett. Nur Betriebe mit einem Jahresumsatz über sieben Mio. Euro erreichen mit 19,8 Prozent Eigenkapitalquote annähernd den wünschenswerten betriebswirtschaftlichen Richtwert von 20 Prozent.

Im Gesamtdurchschnitt werden drei Prozent der Betriebsleistung an Gewinn erwirtschaftet. Hinter der durchschnittlich relativ günstigen Ertragslage verbergen sich jedoch ebenfalls Schattenseiten. 37,9 Prozent der Betriebe müssen mit Verlusten arbeiten. Besonders Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis zu 500.000 Euro erreichen zwar eine Kostendeckung, können aber keine angemessenen Eigenkapitalzinsen oder einen entsprechenden Mindestunternehmerlohn erwirtschaften.

Hans-Jürgen Pollirer, Obmann der Bundessparte Information und Consulting, erhofft sich durch die Breitbandinitiative der Bundesregierung nachhaltige Wirtschaftsimpulse. In diesem Zusammenhang fordert er eine steuerliche Vergünstigung als Anreiz zur Einrichtung von Breitbandanschlüssen. Pollirer wünscht sich außerdem einen Beauftragten der Bundesregierung, der für die Koordination auf Bundes- und Landesebene zuständig ist. RTR-Geschäftsführer Georg Serentschy wäre für Pollirer die perfekte Koordinationsfigur. Weiterer Forderungen sind die Abschaffung der Werbeabgabe, die Einführung eines Kreativitätsfreibetrages sowie die flexiblere Gestaltung der Arbeitszeiten. (pte)

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