Gewerkschaften wollen über Stellenkürzungen diskutieren

8. September 2004, 13:49
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"Wir sind zu Opfern bereit, lehnen jedoch traumatische Schritte ab"

Rom - Die italienischen Gewerkschaften haben sich bereit erklärt, über Stellenkürzungen bei Alitalia zu diskutieren. "Die Gewerkschaften werden kämpfen, um die höchstmögliche Zahl von Arbeitsplätzen zu retten. Dort, wo dies nicht möglich sein wird, werden wir um 'nicht-traumatische Lösungen' verhandeln", betonte der Chef des Gewerkschaftsverbands Cisl, Savino Pezzotta, im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Montag-Ausgabe).

"Wir rennen vor den Problemen nicht davon"

"Wir arbeiten für ein Abkommen mit dem Management. Die Gewerkschaften wollen ihre Verantwortung übernehmen, wir rennen vor den Problemen nicht davon. Unser Ziel ist zu vermeiden, dass Alitalia unter Insolvenzverwaltung gestellt wird", betonte Pezzotta. Er warnte, dass das Personal nicht allein für die Sanierung der Alitalia zahlen müsse. "Wenn Alitalia an den Rande des Bankrotts geraten ist, ist dies nicht Schuld der Gewerkschaften", so Pezzotta.

Alitalias Geschäftsführer, Giancarlo Cimoli, plant eine 25-prozentige Kürzung des Personals, um die krisengeschüttelte Fluggesellschaft vor dem Zusammenbruch zu retten. Dies entspricht zirka 6.000 der insgesamt 22.000 Arbeitsplätze bei Alitalia. Ein Teil der Stellen sollte durch Auslagerungen gestrichen werden, hieß es in Alitalia-Kreisen.

Eine Million Urlaubstage soll gestrichen werden

Der Jahresurlaub soll von 45 Tage auf 30 Tage reduziert werden und vor allem sollen alle Angestellten auf den aufgebauten Urlaub und freie Tage verzichten. Cimoli will mehr als eine Million Urlaubstage streichen. Die Piloten erklärten sich zu Gehaltskürzungen bis zu 20 Prozent bereit.

Nachdem die Fluggesellschaft im ersten Halbjahr 2004 45 Prozent ihres Marktanteils in Italien verloren und einen elfprozentigen Passagierrückgang meldete, ist die Lage kritisch. Sollten die Gewerkschaften bis 15. September dem Sanierungsplan Cimolis nicht zustimmen, wird die Airline unter Insolvenzverwaltung gestellt. Dies würde dem Hauptaktionär, dem römischen Schatzministerium, bei der Umstrukturierung der Fluggesellschaft und dem Stellenabbau freie Hand geben. (APA)

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