A1 lässt sich Marktanteil etwas kosten

9. September 2004, 10:23
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Der Marktführer lässt sich den Wettbewerb am Handymarkt etwas kosten und gab im ersten Halbjahr 110 Euro pro Neukunden aus - Entspannung nicht in Sicht

Dass sich Handynetzbetreiber das Anwerben von Kunden viel Geld kosten lassen, zeigte am Dienstag einmal mehr Marktführer Mobilkom Austria. Den Halbjahreszahlen zufolge kostet ein Neukunde 110 Euro. Im Vorjahreshalbjahr waren es noch 93 Euro gewesen. Darin nicht inkludiert sind klassische Werbung und die Stützungen für Endgeräte, mit denen Kunden zum Verbleib im A1-Netz bewegt werden sollen.

Lock- und Kundenbindungskosten

Wohl aber in den 27,1 Mio. Euro an Lock- und Kundenbindungskosten, die damit um 4,2 Prozent über dem Vorjahreswert liegen. Auch diese werden steigen, denn A1-Marketing-Vorstand Hannes Ametsreiter ist entschlossen, "der Konkurrenz keinen Vorteil zu lassen".

Fortsetzung des mörderischen Preiskampfes

Die Fortsetzung des mörderischen Preiskampfes ist also fix kalkuliert. Da zumindest ein Teil der 8000 Neukunden Geschäftskunden sind, sollte sich der Aufwand lohnen, um den Marktanteil 42,3 Prozent wenigstens halten zu können. Im Vorjahreshalbjahr lag dieser noch bei 43,5 Prozent.

817,3 Mio. Euro

Vom Gesamtumsatz der Mobilkom-Gruppe in Höhe von 1,019 Mrd. Euro erwirtschaftete A1 817,3 Mio. Euro. Der Rest wird mit den Auslandstöchtern Si.mobil in Slowenien, VipNet in Kroatien und Mobilkom Liechtenstein gemacht. Si.mobil ist beim Betriebsergebnis (Ebit) mittlerweile mit 100.000 Euro im Plus, VipNet steigerte zwar den Umsatz um 14,9 auf 167,1 Mio. Euro, das Ebit brach jedoch um 11,3 Prozent auf 24,3 Mio. Euro ein. Was Mobilkom-General Boris Nemsic mit der weiteren Aufstockung des Mobilkom-Anteils an VipNet begründete.Hauptsächlich dank Mehrwertdiensten (Sexhotlines)läuft auch das Geschäft in Liechtenstein wie am Schnürchen, der durchschnittliche Umsatz pro Kunden ist dort mit 77 Euro rund doppelt so hoch wie in Österreich.

Die Hälfte

Eindrucksvoll belegt wird mit diesen Zahlen einmal mehr, dass knapp die Hälfte des Umsatzes des Telekom-Austria-Konzerns (TA) von der Mobilkom gespeist wird. Aus dieser Zahl sind die konzerninternen Umsätze übrigens bereits herausgerechnet.

Wie es ohne Swisscom weitergeht, ist nicht überraschend. Nemsic bemüht sich weiter um die bulgarische Mobiltel und wird sich in Bosnien-Herzegowina und in Serbien um Lizenzen bemühen. Bei der Mobiltel seien die Restrukturierungen abgeschlossen, jetzt könnte sich wieder etwas bewegen, übt man sich in Zuversicht.

Unbeeindruckt

Völlig unbeeindruckt gibt sich Nemsic von den Bestrebungen des Finanzministeriums, den gesamten TA-Vorstand „im Sinne eines Neubeginns“ nächstes Jahr nicht mehr zu verlängern. Ob sich die Ministerialbeamten mit diesem Bestreben durchsetzen, ist aber zu bezweifeln.

Denn 42-Prozent-Eigentümer ÖIAG habe sowohl Nemsic als auch TA-Festnetzvorstand Rudolf Fischer eine Verlängerung fix zugesagt, heißt es in ÖIAG-Kreisen. Das wäre auch beim Swisscom-Deal der Fall gewesen. Nun sei wieder Bewegung in der Causa und eine Nachbesetzung noch im September ungewiss. (ung, DER STANDARD Printausgabe, 31. August 2004)

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    Mobilkom-Chef Boris Nemsic

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