Hexenverfolgung in Hohenems

11. Oktober 2004, 10:06
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Neue Forschungsergebnisse für Vorarlberg im 17. Jahrhundert

Bregenz - Die Hexenverfolgung im heutigen Vorarlberg verlief je nach Region unterschiedlich. Manfred Tschaikner, Historiker im Vorarlberger Landesarchiv, untersuchte die Gebiete, die im 17. Jahrhundert von den Grafen von Hohenems regiert und verwaltet wurden, und kam zu überraschenden Ergebnissen.

Mitbestimmung förderte Verfolgung

Seine Untersuchungen zu den Hohenemser Gebieten schließen regional eine große Lücke. Besonders interessant daran ist, dass die Grafen im 17. Jahrhundert auf verschiedener Weise drei benachbarte Gebiete regierten, in denen die Hexenverfolgungen unterschiedlich zum Tragen kamen. Manfred Tschaikners Erklärung: "In Gebieten, die demokratisch verwaltet wurden oder wo die Obrigkeit von den Untertanen finanziell abhängig war, konnte die Hexenverfolgung besonders leicht um sich greifen. In großflächigen Staatsgebilden hingegen dämmte der Verwaltungsapparat die Verfolgung ein." Verkürzt gesagt: Kleinräumige demokratische Mitbestimmung hemmte Hexenjagden nicht, sondern förderte sie.

Bäuerinnen als "Hexen" verfolgt

Das sei auch in den Hohenemser Territorien zu beobachten: In den Stammlanden (Grafschaft Hohenems mit dem Reichshof Lustenau) regierten die Emser absolutistisch - die Hexenverfolgungen wurden hier noch bis ins letzte Viertel des 17. Jahrhunderts geführt, seien jedoch nicht eskaliert. In den Herrschaften Vaduz und Schellenberg hingegen, die das Haus Hohenems erworben hatte, bestimmte das "Volk" mit - hier kam es zu ausufernden Hexenjagden.

Hexerei galt als vererbbar

Seinen Höhepunkt hätte das Hexentreiben in Hohenems 1649/50, als ihm neun Personen zum Opfer fielen, erreicht. 27 Jahre später forderten die letzten Hexenprozesse, die auf dem Boden des heutigen Vorarlberg geführt wurden, in Hohenems und Lustenau weitere sechs Menschenleben. Zum allergrößten Teil wurden Frauen sämtlicher bäuerlicher Schichten vor Gericht gestellt, im Alter von 12 bis 75 Jahren. Häufig waren Familien betroffen, denn das Delikt der Hexerei galt als sozial vererbbar und biologisch vererblich. (red)

Manfred Tschaikner:
"Hexenverfolgungen in Hohenems einschließlich des Reichshofs Lustenau sowie der österreichischen Herrschaften Feldkirch und Neuburg unter hohenemsischen Pfandherren und Vögten"
Universitätsverlag Konstanz
ISBN: 3896696904
Euro 34
  • Im Bild: Das Buchcover "Die kleine Hexe" von Otfried Preussler. Das Buchcover des vorgestellten Buches liegt uns derzeit leider nicht vor.
    buch-cover: die kleine hexe
    Im Bild: Das Buchcover "Die kleine Hexe" von Otfried Preussler. Das Buchcover des vorgestellten Buches liegt uns derzeit leider nicht vor.
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