Kommentar: Sport und Sabber

13. September 2004, 14:11
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Wäre Sexismus eine olympische Disziplin - von Daniel Glattauer

Und hier noch ein paar packende Szenen aus österreichischer Sicht: Da erspäht ein Kommentator vier Beachvolleyballerinnen im ägäischen Sand. Und schon zergeht ihm auf der Zunge: "Die kessen Mädels im knappen Bikini (...)" Seinen Kollegen erwischt es indes beim Schwimmen: "Die ansprechend körperbetonten Schwimmanzüge der jungen Mädchen (...)" Wieder einer sieht vor lauter Bällen den Damenfußball kaum und schiebt es seinen Opfern in die Schuhe: "Na ja, die Ballbeherrschung ist bei den Frauen noch ein gewisses Problem."

Ein Sportsmann muss Synchron-Turmspringerinnen bei der Arbeit beobachten, Frauen die sich aufeinander konzentrieren und dabei anscheinend ohne ihn auskommen. Da reift in ihm ein wahrhaft fürchterlicher Gedanke: "Man stelle sich vor, es würde jetzt auch das Männer-Synchronschwimmen eingeführt werden. Welche Männer würden da wohl starten?" Während sich der Vielseitigkeitsreitspezialist offen zügellos gibt: "Hoppala, da hat die gnädige Dame aber noch etwas Nachholbedarf im Reiten, wenn's einmal wilder hergeht." - Wäre Sexismus eine olympische Disziplin: Unsere kleine Sabberfraktion vom ORF-Sport hätte ordentlich abgeräumt. (DER STANDARD; Printausgabe, 30.08.2004)

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