Wie Unternehmen viel leichter miteinander reden

5. September 2004, 20:01
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Das EC 3 bietet erfolgreich Lösungen im E-Commerce-Bereich an - auch für Endverbraucher

"Wir sollen ökonomischen und akademischen Mehrwert schaffen." So beschreibt Hannes Werthner den Auftrag von EC 3. Er ist Obmann des als Verein eingetragenen "Electronic Commerce Competence Center", das im Techgate auf der Wiener Donauplatte zu Hause ist.

EC 3 forscht, entwickelt und betreibt Projekte im Bereich elektronischer Geschäftsformen (E-Commerce). Die Abwicklung von Transaktionen über digitale Strukturen bezieht ebenso technische wie betriebswirtschaftliche, soziale und politische Aspekte ein: mehr, als eine einzelne Forschungseinheit je bearbeiten könnte. "Darum haben wir uns zusammengeschlossen", sagt Werthner. Er selbst, TU-Wien-Informatiker und auch an der Uni im italienischen Trento tätig, ist einer aus dem halben Dutzend Uni-Professoren und -Dozenten, die ihre Fachkenntnisse einbringen. Sie kooperieren mit Mitgliedern aus der Industrie, von Kleinunternehmen bis zu Kalibern wie SAP, Swarovski und T-Mobile. Als Folge der bisherigen Tätigkeit gibt es bereits Spin-off-Unternehmen, herzeigbare Business-Modelle, prämierte Prototypen, mehr als 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen - der akademische Mehrwert - und Produkte.

Eines davon dient der radikalen Vereinfachung der Kommunikation zwischen verschiedenen Unternehmen, und es wird gerade auf dem europäischen Tourismusmarkt implementiert, nachdem EC 3 den EU-Zuschlag gegen 44 Mitbewerber gewonnen hat. "Harmo-TEN" baut auf der ebenfalls in-house entwickelten Interoperabilitätslösung "Harmonise" auf, es bietet in Zusammenarbeit mit Touristikern aus alles Teilen Europas ein gemeinsames Portal. "Wo man früher wochenlang Verbindungen zwischen Partnern abstimmen musste", sagt der Informatik-Netzwerker, "genügt jetzt des Definieren von Regeln, das dauert ein bis zwei Tage."

Werthner beschreibt diesen Prozess als erfolgreiche frühe Umsetzung der Idee des "semantischen Webs" (siehe Forschung Spezial vom 23. 8.), das vom FIT-IT des Techno- logieministeriums unterstützt wird. Die Gelder für EC 3 kommen übrigens zu je zwei Fünfteln vom Wirtschaftsministerium und von den beteiligten Unternehmen und zu einem Fünftel von der Stadt Wien.

Sie dürften gut angelegt sein. Dem Kompetenzzentrum wurde soeben ein sehr positives Zeugnis ausgestellt. Drei Professoren, unter ihnen Beat Schmid aus St. Gallen, ordnen die "bisher erstellten Produkte . . . in der internationalen Spitzengruppe" ein; die Vierjahresevaluierung wurde von der Doppler-Gesellschaft und vom Forschungsförderungsfonds der gewerblichen Wirtschaft (FFF) in Auftrag gegeben. Eine Verlängerung des Förderprogramms wurde vom Wirtschaftsministerium in Aussicht gestellt.

Von sich aus will das EC 3 einen wachsenden Drittmittelanteil erwirtschaften. "Zu diesem Zweck", sagt Werthner, "haben wir die Tochter EC 3 Networks GmbH gegründet, die unsere Produkte verwerten soll." Für die Entwicklung des europäischen Tourismusportals etwa gibt es einen EU-Auftrag in der Höhe von zwei Mio. Euro. Teil davon ist ein "recommendation system", das den Veranstaltern ermöglichen wird, den Endverbraucher aufgrund seines Surf- und Suchverhaltens maßgeschneidert zu beraten: "Ein Beispiel, wie man Technologien weiterverwenden kann." (mf/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 8. 2004)

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