"Mehr als reine monetäre Zuwendung"

5. September 2004, 20:01
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Kommenden Mittwoch nimmt die neue staatliche Forschungsförderungsgesellschaft FFG den operativen Betrieb auf. Über Aufgaben und Herausforderungen sprachen die beiden Geschäftsführer Henrietta Egerth-Stadlhuber und Klaus Pseiner mit Luise Ungerboeck

STANDARD: Was soll der Merger von gewerblichem Forschungsfonds FFF, Weltraumagentur ASA, Technologie Impulse Gesellschaft und Büro für internationale Technologiekooperationen (BIT) der wirtschaftsnahen Forschung in Österreich bringen?

Pseiner: Einen Mehrwert, denn Forschungsförderung ist weit mehr als die reine monetäre Zuwendung. Die Klein-und Mittelbetriebe brauchen Unterstützung, sie müssen mehr Expertise bekommen.

Egerth-Stadlhuber: Wir wollen Standards bei Förderungen setzen, die international standhalten, mit denen Österreich im europäischen Forschungsraum reüssieren kann. Die FFG soll eine Drehscheibe im Innovationssystem werden, ein One-Stopp-Shop, ein kompetenter Ansprechpartner für Ministerien, Politik und für die Bundesländer.

STANDARD: Die zu fusionierenden Förderinstitutionen genießen hohe Reputation, haben wertvolle Marken. Bleiben die vier Marken erhalten?

Egerth-Stadlhuber: Wir haben keine Vorgabe, dass die vier Marken erhalten bleiben. Aber auch keine, dass nicht. Die Übergangsphase sieht zunächst die Übernahme der vier Firmen vor, so wie sie sind. Das ist sehr wichtig, um die Kontinuität bei der Förderentscheidung zu gewährleisten. Parallel dazu wird ein Unternehmenskonzept für die FFG vorbereitet.

Pseiner: Die ASA (Austrian Space Agency, Anm.) zum Beispiel ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Staat und Industrie. Bis alle Eigentümerschaften an die FFG übertragen sind, wird sie daher eine eigenständige Gesellschaft bleiben. Ende 2004 soll das geklärt sein. Ähnlich beim BIT, einem Verein von Sozialpartnern, Bildungs- und Wirtschaftsministerium. Hier werden die Vereinsmitglieder in einen Beirat übergeführt, der als strategisches Gremium berät.

STANDARD: Wer trifft künftig die Förderentscheidungen? Ausschließlich die weisungsgebundene Geschäftsführung?

Egerth-Stadlhuber: Nein. Zunächst bleiben diverse Beiräte erhalten. Beim Forschungsförderungsfonds etwa entscheidet das bisherige Präsidium künftig als Beirat.

Pseiner: Gewisse Änderungen wird es wohl geben müssen, denn das Handelsgesetzbuch ist für eine Ges.m.b.H. restriktiver als eine Fondsregelung. Die Geschäftsführung ist laut HGB ja haftbar.

STANDARD: Die Eigentümer erwarten sich vom Förderriesen Einsparungen. Wird es künftig billiger?

Pseiner: Kurzfristig sehe ich keine Einsparungen in nennenswertem Ausmaß, denn alle vier Gesellschaften sind sehr effizient. Es gibt seitens der Eigentümer auch keine derartigen Zielvorgaben. Bei Administration und Rechnungswesen ist aber sicher etwas herauszuholen. Wir versuchen, zumindest nicht teurer zu werden. Und: Niemand hindert die FFG daran, mehr Geld anzuwerben, etwa in Brüssel.

STANDARD: Sind Kündigungen geplant?

Pseiner: Nein, derzeit nicht.

STANDARD: Steht die Arbeitsteilung in der Geschäftsführung schon fest?

Egerth-Stadlhuber: Eigentlich noch nicht. Wir schauen uns die Dinge jetzt einmal gemeinsam an und entscheiden auch gemeinsam. Denn wir wollen den Schwung der einzelnen Bereiche unbedingt nützen. Die Kunden sollen keinen Unterschied merken. Parallel dazu wird die FFG vorbereitet. Wir haben ein Jahr Zeit, das Unternehmenskonzept zu erstellen.

STANDARD: Wie wird die FFG strukturiert, um Doppelgleisigkeiten und Förderlücken zu vermeiden?

Pseiner: Das ist eine schwierige Aufgabe. Wir wollen Leitlinien und Strategie gemeinsam erarbeiten, den Bereichen und Führungskräften aber weit gehende Autonomie lassen. Die Gliederung könnte etwa nach einzelbetrieblicher Förderung, Bottom-up- und Top-down-Programmen erfolgen.

STANDARD: Was sehen Sie in der Startphase als die größte Herausforderung?

Pseiner: Einer der Knackpunkte ist, wie viele Förderprogramme die Ressorts behalten und welche Programme in die FFG kommen.

Egerth-Stadlhuber: Unsere Herausforderung wird sein, so gute Standards zu setzen, dass die Ressorts gar nicht mehr mitkönnen. Aber wir gehen dabei sicher nicht gegen die Ressorts, sondern mit den Ministerien vor.

Pseiner: Einer der Knackpunkte ist, wie viele Förderprogramme die Ressorts behalten und welche Programme in die Forschungs-förderungsgesellschaft kommen.

Egerth-Stadlhuber: Wir wollen den Schwung der einzelnen Bereiche unbedingt nützen. Die Kunden sollen keinen Unterschied merken. Parallel dazu wird die FFG vorbereitet. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 8. 2004)

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