Run auf steuerbegünstigte Wohnbauanleihen

14. September 2004, 20:04
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Wohnbauanleihen stehen in der Gunst der Anleger sehr hoch - Bereits im Halbjahr wurden mehr verkauft als im gesamten Jahr 2003

Wien - Die Österreicher sparen wie wild, wobei die hypothekarisch besicherten Wohnbauanleihen in der Gunst der Sparer offenbar ganz oben stehen. Allein im ersten Halbjahr flossen 1,2 Mrd. Euro in steuerbegünstigte Wohnbauanleihen. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr war es nur knapp eine Milliarde Euro.

Der Chef der S-Wohnbaubank und S-Bausparkasse, Josef Schmidinger, erklärt sich den Zustrom so: "Die Anleger suchen sichere Veranlagungen, sie trauen den Aktien zu wenig, und sie wollen eine gute Verzinsung."

Wohnbauanleihen sind wegen ihrer langen Laufzeit von zehn bis 15 Jahren zudem ideal für die Pensionsvorsorge. Ihr größter Vorteil: Die Zinsen sind bis zu vier Prozent von der Kapitalertragssteuer (KeSt) befreit. In Zeiten niedriger Zinsen, wie derzeit, zahlen die Anleger also gar keine KeSt. Denn die Emissionen der sechs heimischen Wohnbaubanken sind derzeit mit 3,8 bis vier Prozent fix verzinst. Die variabel verzinsten liegen bei knapp 3,6 Prozent. Um eine ähnliche Rendite erzielen zu können, müssten herkömmliche Bundesanleihen einen Zinssatz von fünf bis 5,3 Prozent ausweisen.

Wohnbauanleihen, die von Wohnbaubanken (Töchter heimischen Banken) emittiert werden, gibt es seit 1994. Seither flossen bereits sechs Milliarden Euro in diese Papiere. Das Geld wird überwiegend für die Finanzierung des mehrgeschoßigen Wohnbaus verwendet. Laut Schmidinger werden mittlerweile 90 Prozent des mehrgeschoßigen Wohnbaus aus dem Erlös der Wohnbauanleihen finanziert.

Immobilienfonds

Mit der Anfang 2005 wirksam werdenden Reduktion der Körperschaftssteuer von 34 auf 25 Prozent werden die Immobilienfonds gegenüber den Immobilien von Aktiengesellschaften benachteiligt, da die Gewinne der AGs mit dem jeweiligen KöSt-Satz versteuert werden. Die Fonds unterliegen zwar der KeSt (25 Prozent), zusätzlich werden die Aufwertungsgewinne (egal, ob ausgeschüttet oder nicht) wieder mit der KeSt besteuert.

Schmidinger fordert daher stellvertretend für die Branche, dass bei den Immobilienfonds die Aufwertungsgewinne nur dann zu versteuern sind, wenn die Immobilien verkauft werden und nicht (wie bisher) wenn bloß der Gutachter die Immobilien quasi am Papier aufwertet. (Claudia Ruff, Der Standard, Printausgabe, 30.08.2004)

  • Allein im ersten Halbjahr flossen 1,2 Mrd. Euro in steuerbegünstigte Wohnbauanleihen. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr war es nur knapp eine Milliarde Euro.
    foto: cremer

    Allein im ersten Halbjahr flossen 1,2 Mrd. Euro in steuerbegünstigte Wohnbauanleihen. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr war es nur knapp eine Milliarde Euro.

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