Banken verleihen Geld noch viel zu billig

20. September 2004, 11:08
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Im internationalen Vergleich bieten die heimischen Bankinstitute ihr Eigenkapital zu Spott-Margen an, meint RZB-Vorstand Karl Sevelda im STANDARD-Gespräch

Standard: Österreichische Banken - etwa die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich - haben zuletzt sogar deutschen Unternehmen mit Krediten ausgeholfen. Gleichzeitig belebt sich im Inland offenbar die Kreditnachfrage der Firmen. Trotzdem verdienen die Österreicher im Firmenkundengeschäft, im Gegensatz zum Privatkundengeschäft, schlecht. Woran liegt das?
Sevelda: Wir verkaufen unsere Bilanzen noch immer viel zu billig - das hat in Österreich Tradition.

STANDARD: Sie leihen das Geld also zu billig her?
Sevelda: Ja, langfristige Finanzierung mit 50 oder 75 Basispunkten Marge ist einfach zu billig. Vor allem bei Immobilienprojekten werden die Finanzierungen länger, bis zu 20 Jahren. Eine Bank, die sich mit so geringen Margen einsperrt, verbraucht wertvolles Eigenkapital. Auch internationale Unternehmen finanzieren sich solcherart gerne via österreichischer Banken - wir bieten unser Eigenkapital zu Spott-Margen an.
STANDARD: Viele Unternehmen klagen aber, dass im Vorfeld der neuen Eigenmittelvorschriften nach Basel II die Kredite wesentlich teurer geworden seien.
Sevelda: Mit Basel II und dem Schock der schlechten Börsenjahre ist auch in gewisser Weise ein ertragsbewussteres Denken eingekehrt. Sobald es aber wieder ein bisschen besser geht, sehen wir eine Erosion der Margen. Wir differenzieren noch immer zu wenig nach Bonitäten und Laufzeiten. Banken sollten nicht länger als zehn Jahre finanzieren.

STANDARD: Welcher Ausweg aus der Misere können Sie sich hier vorstellen?
Sevelda: Gemeinsam mit den Kunden auf Alternativen ausweichen, die die Bilanz nicht belasten, etwa Corporate Bonds, das ist ja bereits auch im Gange, wenn Sie sich die Milliarden-Volumen an Firmenanleihen an der Wiener Börse ansehen.

STANDARD:Bilanzmaßnahmen betreffen aber auch die Banken selbst?
Sevelda: Ja, wir müssen selbst Kapitalmarktinstrumente im Risiko- und Kredithandel stärker nützen. Jedes Institut hat seine Klumpenrisken, die strukturiert ja auch handelbar sind. Da muss sich mehr bewegen. Syndizierungen, der Austausch von Risiken, aber auch Zins- und Währungsmanagement sind unsere Themen.

STANDARD: Erwarten Sie, dass Unternehmen in Österreich im Zuge verstärkter Verwendung neuer Finanzierungsmethoden wie zum Beispiel Mezzaninkapital, Anleihen, Risikokapital, ihre Abhängigkeit von der so genannten Hausbank abbauen werden? Derzeit finanzieren sich österreichische Unternehmen ja noch zu weit über 60 Prozent mit der Aufnahme von Krediten.
Sevelda: Ich bin überzeugt, dass die Hausbankenfunktion bestehen bleiben wird, weil sie organisch gewachsen ist. Allerdings werden Kapitalmarktinstrumente eine star- ke Ergänzungsfunktion er- halten.

STANDARD: Apropos Zinsen - sie werden wohl steigen, was heißt das für laufende Kredite?
Sevelda: Es ist sicherlich jetzt an der Zeit, mit dem Bankinstitut über Zinsfixierungen zu sprechen.(Der Standard, Printausgabe, 30.08.2004)

Interview von Karin Bauer durchgeführt

ZUR PERSON:
Karl Sevelda ist im Vorstand der Raiffeisen Zentralbank (RZB) für das Kommerzkundengeschäft verantwortlich und hält beim
Bankensymposium in Alpbach einen Vortrag zum Thema "Steigerung der Ertragskraft".

  • Sevelda: "Jetzt über Zinsfixierung sprechen."
    foto: semotan

    Sevelda: "Jetzt über Zinsfixierung sprechen."

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